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Umfrage unter Heilberuflern

Das größte Problem ist die Materialbeschaffung

Weniger Patienten, mehr Arbeit – die Krise hat Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsleben von Heilberuflern. Auch die Materialbeschaffung bereitet große Probleme, wie eine aktuelle Umfrage der Apobank belegt.
Jennifer Evans
04.05.2020  15:06 Uhr

Die befragten Heilberufler fürchten sich in der Pandemie weniger um ihre Gesundheit als vielmehr um ihren Betrieb, so Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Demnach melden 58 Prozent aller Befragten einen Rückgang bei den Patientenzahlen. Am stärksten haben dies die Zahnärzte zu spüren bekommen. Das gaben 89 Prozent von ihnen an. Bei den Apothekern stellten mit 34 Prozent hingegen deutlich weniger rückläufige Kundenzahlen fest. Dafür ist insbesondere in den Offizinen das Arbeitspensum gestiegen. Während 70 Prozent der Apotheker einen Mehraufwand feststellten, waren es unter den Heilberuflern insgesamt lediglich 44 Prozent. An der Onlinebefragung der Apobank zwischen dem 3. und 27. April hatten insgesamt 521 Heilberufler teilgenommen, darunter 227 Apotheker.

Für die Mehrheit der Befragten ist es laut Umfrage keine Option, Personal zu entlassen oder die Praxis beziehungsweise Apotheke vorübergehend zu schließen. Ein Drittel kann sich vorstellen, einen bestehenden Kredit aufzustocken oder auszusetzen oder neue Kredite zu beantragen. Deutlich mehr Heilberufler (46 Prozent) haben bereits Privatvermögen umgeschichtet oder wollen dies in Zukunft tun.

Zu spät über Auswirkungen informiert

Die meisten Probleme bereitet den Umfrageteilnehmern derzeit die Materialbeschaffung, wie 84 Prozent in der Befragung anführten. Das deckt sich der Apobank zufolge mit der aktuellen Knappheit von Schutzkleidung, Atemmasken und Hygieneartikeln. Zudem erachten es 62 Prozent als schwierig, die verstärkten Hygienevorschriften, Abstands- und Zugriffsbeschränkungen sowie Limitierungen der Arzneimittelausgabe gemäß gesetzlicher Vorgaben konsequent einzuhalten. Zwar zeige die Mehrheit der Heilberufler Verständnis für die bisherigen Schritte der Politik und jeder Zweite sehe das deutsche Gesundheitssystem auch in der Lage, die Krise zu bewältigen, so Zehnich. Auffällig sei jedoch, dass sich viele der Befragten nicht rechtzeitig oder umfassend zu Auswirkungen auf ihr berufliches Handeln informiert fühlten.

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