Notizzettel sind bei Vergesslichkeit eine effektive Gedächtnisstütze, um Gedanken, Aufgaben und Termine strukturiert festzuhalten und den Kopf zu entlasten. / © Getty Images/Tara Moore
»Dauernd vergesse ich etwas. Ist das noch normal, oder steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter?« Diese oder ähnliche Fragen werden auch in Apotheken häufig gestellt. Das Spektrum der Beunruhigung bei den Betroffenen reicht von Verärgerung über Störungen der täglichen Abläufe bis hin zur Befürchtung, auf dem Weg in eine Demenzerkrankung zu sein. Feinfühligkeit, ein offenes Ohr und ein Blick auf mögliche Warnzeichen für eine ernste Erkrankung sind in der Beratung gleichermaßen wichtig.
Grundsätzlich gilt: Vergesslichkeit an sich ist normal. Was das Gehirn nicht regelmäßig abrufen muss, wird mit der Zeit entsorgt. Aber das Erinnerungsvermögen ist auch anfällig für Störungen: zu viele Gedanken oder Aufgaben, die gleichzeitig im Kopf herumschwirren – da kann schon mal etwas außerhalb des Fokus geraten. Auch Stress, nicht zuletzt Prüfungsstress, ist ein wichtiger und häufiger Störfaktor des Erinnerungsvermögens.
Zudem können Störungen im Hormongleichgewicht oder Energiestoffwechsel die Hirnleistung beeinträchtigen: Störungen der Schilddrüsenfunktion oder im Glucosestoffwechsel sind nur zwei von vielen Beispielen.
Bei einem entsprechenden Verdacht empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung. Das gilt auch, wenn es sich nicht um punktuelle »Aussetzer« handelt, sondern um Probleme mit der Orientierung. Diese können sowohl die zeitliche als auch die räumliche Orientierung umfassen und den Alltag erheblich beeinträchtigen (siehe Kasten).
Häufig unbeliebt (»keine Zeit!«), aber oft als wirksam haben sich verschiedene Lebensstilmaßnahmen erwiesen: Regelmäßige Schlafenszeiten und dem Gehirn bereits vor dem Zubettgehen zu signalisieren, dass es in den Ruhemodus umschalten kann, sorgt für Erholung.
Dasselbe gilt für entspannende Bewegung an der frischen Luft. Sie verbessert die Durchblutung des Gehirns und sorgt gleichzeitig dafür, dass erhöhte Adrenalin- und Cortisolspiegel wieder in den Normalbereich gelangen können. Je nach Vorliebe kann man dabei abschalten oder anstehende Aufgaben sortieren, um sie anschließend abzuarbeiten.
Für mehr Struktur und weniger vergessene Dinge können außerdem einfache Tools wie ein Notizblock (ob analog oder digital) sorgen: Vom einfachen Einkaufszettel bis hin zur Organisation komplexer Aufgaben sorgt das »ausgelagerte Gedächtnis« für mehr Fokus auf die anstehende Aufgabe. Doch nicht nur ein Zuviel an Aufgaben kann das Gehirn aus dem Gleichgewicht bringen, sondern auch ein Mangel daran. Denksport statt Fernsehkonsum kann hier für Training sorgen. Der Verzicht auf Rauchen und Alkohol stellt eine weitere wichtige Maßnahme dar.
Im Rahmen einer Selbstmedikation können verschiedene Optionen eingesetzt werden. So sind Ginkgo-biloba-Extrakte (etwa Tebonin®) zur Verbesserung einer altersbedingten Beeinträchtigung und der Lebensqualität bei leichter Demenz zugelassen. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Daten zeigen unter anderem verbesserte Fließeigenschaften des Blutes.
Zur Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung kommen Rosenwurzwurzelstock-Extrakte (etwa rhodioLoges® als traditionell zugelassenes Arzneimittel) infrage. Sie enthalten Adaptogene, die die Widerstandskraft gegenüber Belastungen erhöhen sollen.
Überwiegt eine ängstliche Verstimmung, den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsenen zu sein, ist Lavendelöl (etwa Lasea®) eine Option. Die Wirkung kommt unter anderem durch eine Beeinflussung präsynaptischer spannungsabhängiger Calciumkanäle zustande.
Zur Linderung von Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen kommen Extrakte aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und/oder Passionsblumenkraut (etwa Kytta-Sedativum®) in Betracht. Für sie konnte eine Verkürzung der Einschlafzeit und eine Verbesserung der Schlafqualität gezeigt werden.