| Johanna Hauser |
| 20.03.2026 07:00 Uhr |
Referenzwerte sind wichtige Anhaltspunkte, um den Gesundheitszustand eines Menschen einschätzen zu können. Allerdings muss man wissen, wie Referenzbereiche entstehen, um die Werte einordnen zu können.
Bei den Referenzwerten handelt es sich um Mittelwerte. Von gesunden Personen werden Proben genommen und die Verteilung der Werte betrachtet. Die mittleren 95 Prozent unter einer Gauß’schen Verteilungskurve werden als normal eingestuft. Aus der Verteilung berechnen sich Grenzwerte, die dann das Referenzintervall definieren. Das bedeutet aber auch, dass fünf Prozent der Menschen einen Wert außerhalb des Referenzintervalls aufweisen, ohne krank zu sein.
Da jedes Labor eigene Messmethoden anwendet, ist es wichtig, die Werte des Patienten im Kontext mit den Referenzwerten des jeweiligen Labors zu betrachten.
Im Patientenfall, der im Webinar diskutiert wurde, bekam eine 80-jährige Patientin unter anderem Metformin 500 mg (2-0-2) und Pregabalin 150 mg (1-1-1). Vom Augenarzt hatte sie Glaupax® (Acetazolamid) 250 mg neu verordnet bekommen und wegen dessen kaliumsenkenden Effekts vorsorglich Kalinor®.
Da sie aus einer vorangegangenen Beratung mitgenommen hat, wie hilfreich Medikationschecks sind, bittet sie um eine erneute Analyse, ehe sie mit der neuen Medikation beginnt. Aktuelle Blutwerte bringt sie zum Gespräch mit. Die GFR liegt bei 42 ml/min/1,73m², und es liegt eine leichte Hyperkaliämie (5,6 mmol/l) vor. Puls (98) und Blutdruck (160/98 mmHg) sind erhöht. Die Patientin klagt über Schwindel und Übelkeit.
Anhand der Laborwerte sieht man rasch, dass sowohl Metformin als auch Pregabalin angesichts der eingeschränkten Nierenfunktion zu hoch dosiert sind. Auch das Kalium-Präparat erscheint problematisch. Es biete sich an, den Kaliumspiegel erneut zu überprüfen, denn es könnte sich auch um einen Abnahme- oder Laborfehler handeln, gibt Dr. Annegret Fröbel, niedergelassene Allgemeinmedizinerin und Mitglied des Pharma4u-Ärzteteams, zu bedenken.
Die Übelkeit kann vom erhöhten Kaliumwert, einer Überdosierung des Metformin, aber auch vom Blutdruck herrühren, der bislang mit Amlodipin und Spironolacton therapiert wird. Dementsprechend könnten drei Punkte an den Arzt kommuniziert werden:
Fröbel stellte aus ärztlicher Sicht die Indikation von Spironolacton in Frage. Traten Ödeme durch Amlodipin auf? Dann solle man besser überlegen, einen SGLT-2-Hemmer hinzuzufügen. Dieser könne einerseits die reduzierte Dosierung des Metformin auffangen und wirke zudem leicht diuretisch.
Der Fall zeigt, dass Laborwerte nutzbringend sein können. Allerdings, so Dartsch, seien diese lediglich die Kür und müssen nicht aktiv eingefordert werden.
Einen ganz praktischen Tipp hatte noch Moderatorin Sabine Haul in petto: Da Kalinor zwei Kaliumsalze enthält, prüft der MediCheck die Interaktionen für jedes der beiden Salze einzeln. Dies hat zur Folge, dass die Hinweise »doppelt« angezeigt werden.