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HIV-Präexpositionsprophylaxe

DAK übernimmt Kosten für PrEP

Als erste deutsche Krankenkasse übernimmt die DAK-Gesundheit die Kosten für die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe, die sogenannte PrEP. Wie die Kasse heute bekannt gab, erstattet sie diese Arzneimittel rückwirkend zum 1. Januar 2019.
Ev Tebroke
18.02.2019
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Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der DAK-Verwaltungsrat grünes Licht gegeben und die Präexpositionsprophylaxe als neue Satzungsleistung beschlossen. Nachdem nun vergangene Woche das Bundesversicherungsamt zugestimmt hatte, ist der Weg für eine Kostenübernahme frei. Ab sofort können sich nun DAK-Mitglieder, die mindestens 16 Jahre alt sind, die Kosten für die PrEP erstatten lassen. Bei den Präparaten handelt es sich um eine medikamentöse HIV-Prophylaxe, die eine Infektion verhindern kann. Im Zentrum stehen laut DAK Arzneistoffe, die als HIV-Medikamente lange erprobt sind, aber auch vorbeugend eingesetzt werden können.

Mit der Einstufung von PrEP als Satzungsleistung greift die Kasse einer aktuell geplanten gesetzlichen Regelung nun sogar vor: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes die PrEP als Kassenleistung festzulegen. Das Gesetz befindet sich zurzeit noch in der parlamentarischen Beratung und wird voraussichtlich noch vor der Sommerpause in Kraft treten.

Nach DAK-Angaben werden maximal 200 Euro pro Quartal erstattet, abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Laut Deutscher Aidshilfe reicht das für drei Monatsrationen aktuell im Handel befindlicher Generika des PrEP-Medikaments Trudava® aus. Für die Erstattung bedarf es eines Privatrezepts über ein in Deutschland zugelassenes PrEP-Medikament. Die Kosten für aus dem Ausland importierte Arzneimittel werden hingegen nicht übernommen. »Wir möchten, dass unsere Versicherten mit regulären Arzneimitteln versorgt werden, für die auch die entsprechenden Qualitätsstandards erfüllt sind«, so die DAK gegenüber der deutschen Aidshilfe. Das Rezept muss bei einer Apotheke vorgelegt, entwertet und dann zusammen mit der Quittung über die Medikamentenkosten bei der DAK zur Erstattung eingereicht werden. Das sei auch online möglich.

»Die PrEP kann bei regelmäßiger Einnahme der verordneten Medikamente das Ansteckungsrisiko fast vollständig ausschalten«, so der DAK-Vorstandsvorsitzende, Andreas Storm. Demnach hemmen die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin ein spezielles Enzym des HI-Virus und verhindern somit, dass es sich im menschlichen Körper fortpflanzt. Maßgebliche Studien haben nach DAV-Angaben einen Schutzeffekt von 96 Prozent ergeben.

»Die Zahl der HIV-Neuinfektionen wird nicht wesentlich kleiner, deshalb müssen wir neue Schutzmethoden fördern«, erklärt Storm. Laut DAK haben sich 2017 rund 2700 Menschen mit HIV infiziert, im Vorjahr lag die Zahl bei 2900.

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