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Apothekerkammer Saarland

Bürokratisierung 4.0

Enttäuschend, so das Fazit von Manfred Saar, dem Präsidenten der Apothekerkammer des Saarlandes, zum Deutschen Apothekertag 2019. Bei der Vertreterversammlung in Saarbrücken kritisierte Saar auch die politischen Entwicklungen.
Caroline Wendt
20.11.2019  14:40 Uhr

Bei der derzeitigen politischen Konstellation sei lediglich zu erwarten, dass die Verwaltung und der technische Aufwand weiter zunehmen. »Die technische Aufrüstung, die uns gerne als Digitalisierung 4.0 verkauft wird, sollte besser Bürokratisierung 4.0 heißen«, betonte Saar bei der Versammlung am 19. November 2019. Doch seien visionäre, politische Ziele nicht allein durch Technik zu ersetzen. »Technische Entwicklung ist ein Weg zu neuen Formen des gemeinsamen Lebens, hat aber keinen Wert an sich«, so der Präsident.

Unter großem bürokratischem Aufwand werde auch das E-Rezept realisiert. Da die Bundesländer kein Zentralregister zulassen wollten, müssten sich nun 17 Apothekenkammern unabhängig voneinander um die Ausgabe der Heilberufsausweise kümmern und individuelle Verträge mit den Kartenlieferanten abschließen. Das E-Rezept wird kommen, da ist sich Saar sicher. Doch würden nach wie vor viele Kollegen in Bezug auf diese Entwicklung untätig bleiben. Deshalb mahnte er an, die eigene Apotheke und die eigenen Kunden bereits jetzt vorzubereiten. Zahlreiche Bestell-Apps ständen hierfür zu Verfügung. »Wir müssen schon jetzt die Weichen stellen«, betonte auch der Geschäftsführer der Kammer, Carsten Wohlfeil.

Und auch in einem weiteren Punkt waren sich Präsident und Geschäftsführer einig: Eine echte Reform der PTA-Ausbildung sei nötig. Es reiche nicht aus, den Stundenplan der Auszubildenden ein wenig umzustellen. Eine Vergütung der Ausbildung, ähnlich wie bei den Medizinisch-Technischen-Angestellten (MTA), sei eine Möglichkeit den Beruf wieder attraktiver zu machen. Auch eine duale Ausbildung, um die jungen Fachkräfte frühzeitig an die Apotheken zu binden, ist nach Meinung Saars eine gute Idee. »Wenn wir nach der Devise ›weiter so‹ agieren, wird sich der Mangel an PTA in den Apotheken weiter verstärken«, prognostizierte Wohlfeil.

Eine angemessene Honorierung sei auch für Apotheken wichtig, konstatierte Saar. Daher habe die Apothekerkammer auch beim diesjährigen Deutschen Apothekertag einen Antrag gestellt, die Bezüge zu erhöhen. Dieser sei jedoch, wie im vergangen Jahr auch, in der Abstimmung gescheitert. »Wir werden es nächstes Jahr wieder versuchen«, versprach Wohlfeil den anwesenden Vertretern. Gerade in Hinblick auf kommende pharmazeutische Dienstleistungen sei eine Anpassung des Honorars unerlässlich.

Ein weiteres Projekt der Apothekerkammer des Saarlandes sei die Einführung von Stationsapothekern, wie es bereits in Niedersachen geschehen ist. Gespräche mit dem Ministerium seien geplant. »Im Moment kommen auf 100 Krankenhausbetten 0,3 Apotheker, damit ist Deutschland im europaweiten Vergleich das Schlusslicht«, so Wohlfeil. Zu klären sei allerdings noch die finanzielle Frage. Auch wenn nach Meinung Saars die Einführung der Stationsapotheker in Summe zu Einsparungen im Gesundheitssystem führen werde: »Die Wege werden kürzer.« Bisher spreche der Patient erst mit dem Pflegepersonal, dieser wende sich an den Arzt und der wiederum an die Krankenhausapotheke. Mit Stationsapothekern sinke der Aufwand und nehmen somit auch die Kosten ab. Zudem reduziere die Einführung von Stationsapothekern Medikationsfehler. Sorge um fehlenden Nachwuchs gibt es hingegen nicht. Bereits für das Wintersemester 2020/2021 ist eine Verdopplung der Studienplätze an der Universität des Saarlandes geplant.

»Es war eine politisch ereignisreiche Zeit mit viel politischer Arbeit« fasste Wohlfeil das Jahr 2019 zusammen. 

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