| Jennifer Evans |
| 20.02.2026 07:00 Uhr |
Aktives Abrufen oder die sogenannte Retrieval Practice ist eine Technik, die sich bewährt hat. »Das Gehirn speichert nicht primär durch Wiederholen, sondern durch den Abruferfolg«, sagte sie. Jeder erfolgreiche Abruf verstärke die Spur oder die sogenannte Memory Trace und mache diese zugänglicher.
Nach einem Gespräch kann man sich beispielsweise 30 Sekunden Zeit nehmen, um es gedanklich zusammenzufassen und sich dabei zu fragen: »Worum ging es eigentlich und was sind nun die nächsten Schritte?« Dasselbe Prinzip funktioniere auch beim Lesen, so Kühn. Nach jedem Abschnitt könne man sich eine Frage stellen und diese beantworten. Das Gleiche gilt beim Merken von Namen. Gut ist, wenn man ihn sofort benutzt: »Schön Sie kennenzulernen, Herr X« und ihn sich zusätzlich später erneut in Erinnerung ruft.
Eine zweite etablierte Technik, die der Expertin zufolge »sensationell wirkt« ist die sogenannte Spaced Repetition. Dabei gilt es, Informationen verteilt zu wiederholen – nach einem Tag, nach drei Tagen und nach einer Woche. Am effektivsten sei jedoch Spaced Retrieval, also die Kombination aus aktivem Abrufen und Verteilen von Erlerntem, betont sie.
Sudokus trainieren sehr gezielt Muster, Logik und Arbeitsgedächtnis. Der Vorteil: Sie machen Spaß. Ihr Effekt bleibt laut Brigitte Kühn aber oft im »Sudoku-Kosmos« stecken, weil man nur in dieser Art Aufgabe besser wird.
Auswendiglernen kann sich für die Gehirnleistung auszahlen, wenn es sinnvoll gestaltet ist, sprich: Abruf, Abstand und Bedeutung kombiniert. Der Vorteil: Es verbessern sich Abrufstärke, Konzentration und mentale Disziplin. Allerdings sei stumpfes Pauken ohne Sinn oder Verknüpfung langweilig und oft ineffizient, warnt sie.
Fremdsprachen lernen und sprechen ist dagegen ein Allrounder. Der Vorteil: Es verbindet Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Hemmung (nicht in die Muttersprache rutschen), Wortfindung, Hörverstehen und soziale Interaktion miteinander und kann zudem emotional sein.