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Gedächtnisleistung
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Brain Walking – Training fürs Gehirn

Oft ist nicht das Gehirn schuld, wenn uns eine Aufgabe nicht gelingt. Meist fehlen ihm die richtigen Bedingungen, um gut und effektiv arbeiten zu können. Wie sinnvolles Gehirntraining aussehen kann und wie sich spielend die Gedächtnisleistung steigern lässt, berichtet die Gesundheitsexpertin Brigitte Kühn der PZ.  
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 20.02.2026  07:00 Uhr

Weniger aufnehmen, mehr filtern

Ein weiteres Problem ist die Informationsflut, die das Merken im Alltag erschwert. Angesichts der Fülle von Reizen und Mitteilungen ist es wichtig, filtern zu können. Doch lässt sich Selektieren lernen? »Ja«, sagt Kühn. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit zu steuern, Prioritäten zu setzen und Störreize zu hemmen.

Für eine sehr alltagstaugliche Methode hält sie die 3-Fragen-Filterschleuse. »Muss ich das heute wissen?«, »Hat das eine Konsequenz/Handlung?« und »Ist das für meine Ziele/Werte relevant?«.

Ein gutes Gedächtnis zu haben, bedeutet Kühn zufolge nicht, alles im Kopf zu haben, sondern bewusst zu entscheiden: Was merke ich mir und was notiere ich? Es sei nicht schlimm, »externe Speicher zu nutzen«. Aber mit Struktur. Dazu gehört, Einkaufszettel nach Kategorien zu sortieren, im Kalender feste Routinen einzutragen und Notizzettel immer am selben Ort aufzuheben.

Darüber hinaus rät die Gesundheitsexpertin, Monotasking zu trainieren. Dafür schlägt sie vor, zunächst für zehn Minuten nur eine einzige Sache zu tun. Und dabei gilt es zu beachten: »Timer an, Handy weg.«

Unser Gehirn filtere außerdem besser, wenn etwas Bedeutung habe, so Kühn. Statt sich also zu sagen: »Ich sollte heute …« lieber umformulieren in: »Ich will dies tun, weil …« Damit entstehe eine »emotionale Klebkraft«.

Glaubenssätze bewusst machen

Eine große Rolle beim Gedächtnistraining spielen laut Kühn auch Glaubenssätze, die oft wie innere Erwartungsprogramme wirken. Sie entscheiden darüber, wie wir Fehler interpretieren, wie viel Stress wir dabei empfinden und ob wir dranbleiben oder aufgeben.

Als typisch bezeichnet sie Sätze wie »Das ist halt das Alter« oder »Ich werde tüdelig«. Wenn zum Beispiel jemand seinen Schlüssel sucht, weil er beim Reinkommen gleichzeitig telefoniert hat, schreibt er dies womöglich seiner Vergesslichkeit zu. Das sorgt für Stress und führt zu einer noch schlechteren Erinnerung.

Gezieltes Gehirntraining heißt nicht, rätseln bis die Stirn glüht, sondern klug fordern, klug strukturieren – und klug erholen.

Kühn weist darauf hin, dass häufig nicht das Gedächtnis das Problem sei, sondern die Aufmerksamkeit, wenn zu viele Eindrücke auf einen einprasseln und zu wenig Fokus etwa auf einem Handgriff oder dem Zuhören liegt. Sie bedauert, dass Glaubenssätze oft aus einem normalen Alltagsphänomen wie Ablenkung, Stress oder Schlafmangel eine Identität machen wie »Ich baue ab«.

Zwar verlangsame sich durch das Alter die Abrufgeschwindigkeit von Informationen, aber sehr vieles wie Strategien, Aufmerksamkeitslenkung, Struktur und Lebensstil-Anpassungen seien auch erlernbar, stellt sie klar. Und: »Positive Altersbilder können messbar helfen.« Menschen, die Altern als Entwicklung statt als Abbau sehen, gingen oft aktiver mit Fehlern um – und genau das verbessere die eigene Leistung.

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