| Jennifer Evans |
| 20.02.2026 07:00 Uhr |
Gedächtnisspur: Verschiedene Bereiche wie Bewegung, Sehen und Sprechen zu verbinden, trainiert das Gehirn besonders effektiv. / © Adobe Stock/UKPixelCraft - generiert mit KI
Ein gutes Gedächtnistraining umfasst mehr, als bloß Aufgaben zu lösen und Listen auswendig zu lernen. Das hebt Gesundheitsexpertin und Gedächtnistrainerin Brigitte Kühn im Interview mit der PZ hervor. Entscheidend für ein gewinnbringendes Training ist demnach, mehrere Gedächtnisanker gleichzeitig zu aktivieren. Das ist eine Art bewusst gesetzter Ausgangspunkte für bestimmte Gedankengänge. Zum Beispiel: »Frau Meier – hat einen roten Schal – wohnt im 2. Stock.« Dabei kommen Alltagsbezug und Kontext zum Tragen.
Wenn man mehrere Sinne oder Bereiche wie Sehen, Sprechen, Bewegen, Fühlen und Entscheiden aktiviert, kann sich das Gehirn besser erinnern. Wichtig ist auch Abwechslung beim Trainieren. Und: Die Übungen sollten laut Kühn weder zu leicht noch zu schwer sein, um Langweile beziehungsweise Stress zu vermeiden. Beides könne frustrieren und dazu führen aufzugeben, sagt sie.
Beispiel Einkaufsliste: »Nicht lesen und hoffen, sondern visualisieren«, rät die Gedächtnistrainerin. Damit meint sie, gleichzeitig Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Oder die Chunking-Methode zu nutzen und jeweils Gruppen wie Milchprodukte zusammenzufassen. Auch sinnvoll vor dem Supermarktbesuch: Die Einkäufe vorher im Kopf einmal aufzählen und dann anhand des Zettels prüfen.
Als »echten Gamechanger« beim Üben bezeichnet Kühn Emotionsfreundlichkeit. Das heißt, ein Training, das Angst erzeugt, weil man denkt: »Du baust ab!«, blockiert nur. »Eines, das dagegen Neugier und Selbstwirksamkeit stärkt, weil man erkennt >Ah, so trickse ich mein Gehirn aus!< bleibt«, erläutert sie.
Ein gutes Gedächtnistraining zeichnet sich zudem durch gute Planung aus, sprich: Erst eine (Lern-)Struktur etablieren, dann das Tempo erhöhen, im nächsten Schritt eine Ablenkung einbauen und schließlich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen.