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Patientenfall
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Bluthochdruck weg mit Tipps aus der Apotheke

Blutdruck viel zu hoch trotz fünf Medikamenten: Eine Medikationsanalyse sollte klären, ob sich die Arzneimittel optimieren lassen. Schließlich bekam die stark adipöse Patientin ihren Blutdruck allein mit Lifestyle-Änderungen in den Griff – dank Beratung und stetiger Motivation durch ihre Apothekerin.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 28.01.2026  18:00 Uhr

Viele kleine und große Veränderungen

»Wir haben ihr kardiovaskuläres Risiko ausgerechnet und gemeinsam ein realistisches Ziel festgelegt: 10 kg abnehmen in drei Monaten. Dazu haben wir ihr einen Ernährungs- und Bewegungsplan erstellt«, berichtete Kessner. Die Mitarbeiterin fing daraufhin mit Intervallfasten und zweimal die Woche Nordic Walking und Gartenarbeit an. Zusätzlich empfahl Kessner Vitamin D, Biotin, Magnesium und aufgrund häufiger Infekte auch Vitamin C und Zink zur Substitution.

»Es gab schnell einen Effekt – und plötzlich hat sich auch ihr Aussehen und Auftreten verändert, sie ist weniger krank und belastbarer, auch im Arbeitsalltag, und hat eine Fremdsprache angefangen«, erzählte Kessner weiter.

Der BMI ist auf aktuell 35 kg/m2 runtergegangen, der letzte Blutdruck lag bei 120 zu 80 mmHg und sie fühlt sich deutlich besser. Die Bluthochdruckmedikamente konnten von fünf auf drei Wirkstoffe reduziert werden (Uradipil und Moxonidin wurden gemeinsam mit der Ärztin abgesetzt), wobei die Metoprolol-Dosis halbiert werden konnte.

»Die Kollegin ernährt sich weiter im Intervall und ausgewogen, trinkt nur noch reines Wasser, hat  mehr Energie, Kraft und Fitness, sodass sie sich nun mehrmals pro Woche bewegt und weiter abnehmen will: von aktuell 100 auf 80 Kilogramm. Ihr Ziel: Sie will nicht krank werden.« 

Weitere Tipps der Expertenrunde waren, die Ernährung weg vom Intervall auf drei Mahlzeiten mit unterschiedlicher Nährstoffdichte umzustellen, einmal pro Woche Krafttraining einzubauen und noch einmal das ärztliche Gespräch zu suchen, ob eventuell doch noch zusätzlich eine Abnehmspritze infrage kommt, um die Gewichtsabnahme zu beschleunigen. Auch Schilddrüsen- und Blutfettwerte sollten überprüft werden, ob die Levothyroxin-Dosis angepasst und ein Statin sinnvoll sein können.

Jeder einzelne Tipp kann Veränderungen bringen

»Der Fall zeigt sehr schön, was eine ganzheitliche Beratung bewirken kann«, kommentierte Internist Keil. Hinter den Medikationsanalysen von Apothekern stecke immer sehr viel Fachwissen, wie er selbst aus seiner Praxis weiß. »Sie müssen sich da nicht verstecken – jede Analyse hat einen Mehrwert für mich und meine Patienten.« Er sei offen für weitere Dienstleistungen in der Apotheke, auch wenn das nicht von allen Ärzten gern gesehen werde. Keil ermunterte die Apotheken »dranzubleiben«. Gesundheitskioske brauche es nicht, wohl aber mehr präventive und unterstützende Angebote.

»Wir haben einen großartigen Beruf mit so viel Wissen, das ständig wächst«, betonte auch Kessner. Die Apotheken müssen »einfach machen«, denn gerade diese Leistungen stärken den Standort. Und auch wenn so eine aufwendige, teils nicht vergütete Beratung nicht immer möglich ist: »Bei jeder Medikamentenabgabe kann man noch zwei oder drei zusätzliche Tipps geben, wie der Patient schneller wieder gesund werden kann. Ich stelle immer wieder fest, dass hier oft grundsätzliches Wissen fehlt.«

Ernährung, Bewegung und Schlaf seien die wichtigsten Stellschrauben – hier gib es zahlreiche Studien, die zeigen, dass schon kleine Veränderungen große Wirkung entfalten können, gerade langfristig.

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