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Epidermolysis bullosa

Birkenrindenextrakt unterstützt Wundheilung

Bei Patienten mit der seltenen Erkrankung Epidermolysis bullosa ist die Haut so zart, dass sie schon bei der geringsten Berührung reißt und Blasen bildet. Für sie wurde jetzt ein Präparat mit Birkenrindenextrakt zur Zulassung empfohlen, das die Wundheilung beschleunigt.
Annette Rößler
29.04.2022  16:30 Uhr

Bei Epidermolysis bullosa (EB) ist die oberste Hautschicht, die Epidermis, aufgrund eines Gendefekts nicht ausreichend fest mit der darunterliegenden Dermins verbunden. Schon die geringste mechanische Beanspruchung kann daher zu Wunden- oder Blasenbildung führen. Der Defekt ist angeboren, sodass schon Babys und Kleinkinder betroffen sind. Sie werden auch als »Schmetterlingskinder« bezeichnet, weil ihre Haut so zart ist wie der Flügel eines Schmetterlings.

Eine ursächliche Therapie der potenziell lebensbedrohligen Erkrankung gibt es nicht. Die Behandlung besteht aus einer Wundversorgung vorhandener Verletzungen und der Vermeidung von weiteren. Auch schmerzstillende Medikamente werden eingesetzt.

Als weitere Option für die Wundversorgung hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nun das Präparat Filsuvez® von Amryt Pharmaceuticals DAC zur Zulassung empfohlen. Das Gel enthält einen Trockenextrakt aus Birkenrinde (Betula pendula Roth/Betula pubescens Ehrh.). Als Wirkmechanismus wird eine beschleunigte Zellteilung und -reifung der Keratinozyten in der Epidermis durch die enthaltenen Triterpene vermutet. Durch Auftragen des Gels auf Hautwunden und -blasen von Patienten mit EB soll deren Heilung beschleunigt werden. Vorgesehen ist die Anwendung für Patienten mit den EB-Formen dystrophica und junctionalis ab einem Alter von sechs Monaten.

Filsuvez ist nicht das erste Topikum zur Wundheilung aus dem Hause Amryt. 2016 erhielt der Hersteller eine EU-Zulassung für Episalvan®, das ebenfalls einen Trockenextrakt aus Birkenrinde enthält, standardisiert auf das pentazyklische Triterpen Betulin. Es handelt sich um ein steriles Gel, das zur Behandlung von oberflächlichen Hautwunden und Verbrennungswunden der Haut vom Grad IIa bei Erwachsenen bestimmt ist. EB gehört im Fall von Episalvan nicht explizit zu den Indikationen; diese Lücke will der Hersteller mit Filsuvez nun womöglich füllen. Ob das Präparat tatsächlich auf den Markt kommen wird, ist allerdings nicht sicher: Episalvan jedenfalls ist trotz bestehender Zulassung aktuell nicht im ABDA-Artikelstamm gelistet.

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