| Daniela Hüttemann |
| 05.06.2026 10:30 Uhr |
Die neue Studie zeigt, dass sich bei gut eingestellten Patienten die Biologika-Dosis unter ärztlicher Kontrolle durchaus reduzieren lässt. / © Getty Images/SeventyFour
Drei Viertel der Menschen, die gut auf die neuesten Arten von Biologika gegen Psoriasis ansprechen, können ihre Dosis sicher reduzieren, oft sogar um die Hälfte. Das teilen Forschende des Radboud University Medical Center in Nijmegen auf Basis einer Studie mit, deren Ergebnisse jetzt im Fachmagazin »The Lancet Regional Health Europe« erschienen sind.
In die randomisierte, kontrollierte Open-Label-Studie wurden 244 Psoriasis-Patienten mit stabiler, niedriger Krankheitsaktivität unter Therapie mit einem Interleukin-17- oder Interleukin-23-Inhibitor an 19 Krankenhäusern in Belgien und den Niederlanden eingeschlossen. Im Rahmen einer kontrollierten Dosisreduktion wurden die Injektionsintervalle unter medizinischer Aufsicht schrittweise auf 67 bis 50 Prozent der Originaldosis reduziert, soweit die Krankheitsaktivität nicht wieder aufflammte. Das gelang bei drei von vier Patienten. Manche Patienten spritzen dann nur noch alle sechs Monate.
Geschaut wurde nach einer Nicht-Unterlegenheit der niedrigeren Dosierung gegenüber einem Beibehalten der Standardtherapie in Bezug auf den PASI (Psoriasis Area and Severity Index) nach 18 Monaten. Ein Aufflammen der Krankheitsaktivität wurde bei 1,6 Prozent unter Standardtherapie und bei 4,0 Prozent unter reduzierter Dosis beobachtet. Der Unterschied von 2,4 Prozentpunkten entsprach der Definition einer Nicht-Unterlegenheit. Damit wurde das Studienziel erreicht. Es gab keine schweren Nebenwirkungen in der Gruppe mit Dosisreduktion.
Die Patienten könnten also mit weniger Injektionen auskommen, so die Autoren. Damit könnten rund 8500 Euro pro Jahr pro Patient gespart werden, bei den neuesten und effektivsten Biologika sogar rund 17.000 Euro. »Diese Medikamente sind lebensverändernd«, sagt Dr. Elke de Jong, Dermatologin und Professorin für entzündliche Hauterkrankungen, mit Blick auf den Nutzen für Psoriasis-Patienten. »Aber die Menschen müssen sie ihr Leben lang anwenden.«
Laut De Jong empfinden es Patienten oft als beängstigend, die Dosis ihrer Biologika zu reduzieren: »Die Patienten befürchten, dass ihre Symptome wieder auftreten könnten. Sie leiden oft schon lange an Psoriasis; manche hatten bereits zwanzig Jahre lang Symptome, bevor sie mit der Anwendung von Biologika begannen. Deshalb durften die Studienteilnehmenden jederzeit während der Studie auf die Standarddosis zurückkehren, wenn sie dies wünschten, um die Kontrolle zu behalten.« Damit sei man nah an der klinischen Praxis.
Die Forschenden betonen den Nutzen der Biologika und befürworten ihren Einsatz, wünschen sich jedoch, dass die Leitlinien auch die Möglichkeit einer individuellen Dosisreduktion aufnehmen, auch angesichts eines effizienten Einsatzes der teuren Arzneimittel.