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Abnehmspritzen
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Bewusst essen, Nährstoffmängel vermeiden

Inkretinmimetika führen zur Gewichtsreduktion, vor allem weil Anwender sich satter fühlen und deshalb weniger essen. Dadurch werden aber auch weniger – zum Teil zu wenig – Nährstoffe aufgenommen, zeigen aktuelle Studien.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 09.02.2026  09:00 Uhr
Bewusst essen, Nährstoffmängel vermeiden

Die sogenannten Abnehmspritzen mit Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid wirken auf die Insulinfreisetzung, sie senken aber auch den Glucagonspiegel, drosseln die Magenentleerung und reduzieren den Appetit. Entsprechend nehmen Anwenderinnen und Anwender weniger Nahrung zu sich – und reduzieren ihre Energieaufnahme so um etwa 16 bis 39 Prozent.

Das ist zum Abnehmen erwünscht. Gleichzeitig werden aber auch weniger Mikro- und Makronährstoffe aufgenommen, was problematisch werden kann, wenn die GLP-1-basierten Therapien langfristig angewendet werden. Experten raten allerdings zu längeren Behandlungen von mehreren Jahren, da nach dem Absetzen der Präparate eine erneute Gewichtszunahme droht, raten Experten zu längeren Behandlungen von mehreren Jahren.

Unter einer Therapie mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) müssen die benötigten Nährstoffe gezielt aufgenommen werden, sonst können Mangelzustände entstehen. Das scheint gar nicht so selten zu sein, wie aktuelle Publikationen nahelegen. So waren etwa in einer kleinen Untersuchung aus Texas mit Patienten, die sich auf eine Gelenkersatzoperation vorbereiteten, in der Gruppe, die zuvor GLP-1-RA zur Gewichtsreduktion angewendet hatte, 38 Prozent mangelernährt – gegenüber 9 Prozent in der Kontrollgruppe. Die GLP-1-RA-Anwender hatten auch niedrigere Blutwerte von Albumin und Präalbumin, was auf eine unzureichende Ernährung und gerade auch Eiweißversorgung hindeutet (»Arthroplasty Today«, 2025).

In einer weiteren Untersuchung, die im September 2025 im Fachjournal »Obesity Pillars« erschien, berichtet ein Team um Scott Butsch von der Cleveland Clinic in Cleveland, dass bei 12,7 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes innerhalb von sechs Monaten nach Beginn einer Therapie mit GLP-1-RA ein Nährstoffmangel diagnostiziert wurde. Innerhalb von zwölf Monaten war dies bei 22,4 Prozent der Fall. Am häufigsten trat ein Vitamin-D-Mangel auf. Immerhin 6 Prozent der Patienten hatten eine mangelbedingte Anämie. »Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gesundheitsdienstleister, die GLP-1-Rezeptoragonisten verschreiben, ihre Patienten auf Ernährungsdefizite überwachen sollten«, schreiben die Autoren.

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