Spazieren durch die eigene Stadt kann dabei helfen, neue Menschen kennenzulernen. / © Shutterstock/f.t.Photographer
Junge und ältere Menschen laufen nebeneinander. In kleinen Gruppen unterhalten sie sich – hier noch verhalten, dort schon lebhaft. Spazierclubs lassen sich über Social Media finden: Nach und nach gibt es sie in immer mehr Städten, zum Beispiel auch in Berlin, Dresden, Leipzig, Frankfurt am Main, Hamburg oder Oldenburg. Zum Teil kommen nach Veranstalterangaben Hunderte Menschen zusammen.
Trotz der schnellen Verbreitung: Von einem Boom der Clubs würde der Sport- und Sozialpsychologe Professor Dr. Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule in Köln nicht sprechen: »Ich würde einfach von einem neuen Format reden, was einfach die gesamte Bandbreite von möglichen Angeboten auf eine schöne, nette Art ergänzt.«
»Bewegung erleichtert Kontakt insofern, weil man eine gemeinsame Tätigkeit ausführt. Und das ist natürlich immer einfacher, als wenn man sich irgendwie nur treffen würde, um sich zu treffen, sondern man trifft sich, um etwas zusammenzutun«, erklärt er.
Er sieht auch in den niedrigen Leistungsansprüchen einen Faktor für die Beliebtheit von Spazierclubs. Die seien eine Art Gegenprogramm zu leistungsorientierten Trendsportarten wie Hyrox oder CrossFit, meint er.
Kleinert erklärt, dass Einsamkeit in der Gesellschaft ein immer stärker werdendes Problem sei, das Angebote wie die Spazierclubs zu kompensieren versuchten. Laut einer Panelstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2025 fühlen sich 19 Prozent der Deutschen manchmal oder häufiger einsam – vor der Pandemie seien es lediglich 14 Prozent gewesen.
Kleinert fügt hinzu, es reiche den Menschen nicht, Kontakte über Social Media zu haben. »Das ist etwas anderes, als den leiblichen Kontakt zu haben und jemanden wirklich neben sich zu spüren.«