| Alexandra Amanatidou |
| 12.10.2026 13:30 Uhr |
Apothekerin Gabriele Köhler ist eigentlich bereits seit Mai in Rente. Doch sie betreibt bis heute die Brunnen-Apotheke in Troisdorf-Oberlar in Nordrhein-Westfalen. / © Brunnen Apotheke
Gabriele Köhler ist eigentlich bereits seit Mai in Rente. Doch sie betreibt bis heute die Brunnen-Apotheke in Troisdorf-Oberlar in Nordrhein-Westfalen. Sie wollte einen reibungslosen Übergang für ihre Nachfolgerin schaffen. Dazu wird es aber nicht kommen. Der Vermieter des Gebäudes, in dem sich die Apotheke seit knapp 20 Jahren befindet, will die Miete erhöhen. Die Apothekerin zahlt eigenen Angaben zufolge jetzt schon den doppelten ortsüblichen Gewerbemietpreis, der im Ort an der Hauptstraße angesetzt ist.
Auch eine Mietkaution im fünfstelligen Bereich sei von der Nachfolgerin verlangt worden. Versuche, eine Lösung zu finden, seien bis heute fruchtlos geblieben. Deshalb müsse die Apotheke nun für immer schließen.
Die Suche nach einem anderen Gebäude, in das die Apotheke umziehen könnte, blieb erfolglos. Laut Köhler waren die Gebäude nicht barrierefrei oder groß genug. Auch die Garantie, dass die Medikamente bei unter 25 °C gelagert werden können, sei nicht gegeben, da in einigen Gebäuden keine Klimaanlage vorhanden war. Ob ihre Nachfolgerin nun woanders eine Apotheke übernehmen oder neu gründen möchte? »Ich glaube, nach dieser Erfahrung wird sie das ganz bestimmt nicht tun«, so Köhler gegenüber der PZ.
Immer mehr Apotheken müssen schließen – auch in NRW. Laut aktuellen Daten der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) gibt es im Kammerbezirk noch 1880 Apotheken. Allein im dritten Quartal des Jahres 2026 gab es neun Apothekenschließungen. Nur drei Apotheken haben neu eröffnet. Auch bundesweit gehen die Zahlen zurück. Anfang des Jahres teilte die ABDA mit, dass die Apothekenzahl im Jahr 2025 auf 16.601 Betriebsstätten gesunken ist und damit ein neues Rekordtief erreicht hat.
Gabriele Köhler ist traurig und wütend zugleich. Die Patientinnen und Patienten müssten nach der Schließung längere Wege in Kauf nehmen oder ihre Medikamente online bestellen. »Das ist das, was keiner will«, so die Apothekerin.
Für sie ist es ebenfalls ein finanzieller Verlust. »Es ist nicht nur so, dass ich den Kaufpreis für die Apotheke nicht erhalte. Ich bleibe auch noch auf den Kosten für die Entrümpelung sitzen«, sagt Köhler.
Bis Ende November müsse die Apotheke revisionsfähig sein. »Das bedeutet, dass alles in der Apotheke verbleiben muss, was einen regulären Ablauf nach Apothekenbetriebsordnung gewährleistet. Ich kann nicht schon mal sagen: ›Ich verkaufe den Unguator oder die Präzisionswaage‹. Es muss alles bleiben«, so Köhler. »Und ganz abgesehen davon: Es werden so viele Apotheken geschlossen, dass diese Sachen den Markt überschwemmen.«