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Ehrlichkeitskrise
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Betrug nimmt in der digalen Welt zu

Eine Lüge aufrechtzuhalten, kostet mehr Energie als die Wahrheit zu sagen. Doch Ehrlichkeit ist seltener geworden. Ein Grund sei die digitale Welt, sagt ein Forscher. Er erläutert, wie Betrug die Gemeinschaft schwächt – und warum er trotzdem optimistisch ist.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 27.07.2026  08:00 Uhr

Es wird immer schwieriger in einer Welt voller Fake News und KI-Tricks ehrlich zu sein und Wahrheit zu erkennen. Zumal Täuschungen oftmals sogar belohnt würden, kritisiert Professor Dr. Christian B. Miller von der Wake Forest University in North Carolina. Damit meint er Reichweite, Klicks oder wirtschaftliche Anreize. Der Philosoph berichtet in einem Video auf der Website der Universität, wie moderne Technologien unsere Haltung verändert haben – und Ehrlichkeit da manchmal wie ein Anachronismus wirkt.

In der digitalen Welt erschienen Betrügereien einfacher und gleichzeitig schwerer durchschaubar. Menschen könnten also täuschen, ohne großen Aufwand und oft ohne Konsequenzen, bemängelt er die ungünstige Kombination. Hinzu kommen soziale und finanzielle Anreize, die Druck erzeugten. Miller spricht deshalb von mehreren parallelen Ehrlichkeitskrisen, die sich gegenseitig verstärken. »Obwohl es seit Jahrtausenden so ist, dass Menschen gelogen, betrogen, gestohlen und Ähnliches getan haben, beobachte ich derzeit eine Beschleunigung dieser Art von Verhalten«, berichtet er.

Grundsätzlich sieht er Ehrlichkeit als eine »komplexe Tugend« und »eine Charaktereigenschaft«, die unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst. Unehrlichkeit umfasst für ihn nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Diebstahl, Betrug, Irreführung, Geschwätz, Heuchelei, Selbsttäuschung und das Brechen von Versprechen.

Misstrauen kostet Stabilität

Dabei sei es aus wissenschaftlicher Sicht vorteilhaft, ehrlich zu sein. Die Eigenschaft gelte nämlich als zentral, um von anderen gemocht, respektiert und verstanden zu werden. Zudem schaffe sie Vertrauen – und Vertrauen hält Beziehungen zusammen. Ohne Vertrauen hingegen bröckelten Freundschaften, Partnerschaften und ganze Gemeinschaften.

Wer ständig mit Täuschung rechnen muss, lebt demnach permanent angespannt und vorsichtig. Eine Gesellschaft voller Misstrauen verliert ihre Stabilität. Genau deshalb sieht Miller Ehrlichkeit als Grundlage für ein funktionierendes Miteinander. Zu ähnlichen Ergebnissen war das sogenannte »The Honesty Project« gekommen, das Miller leitete und welches nach Angaben der Universität eine der weltweit größten Forschungsinitiativen zu diesem Thema ist.

Trotz der gesellschaftlichen Entwicklung zur Unaufrichtigkeit, bleibt der Philosoph optimistisch: »Menschen neigen von Natur aus dazu, ehrlich zu sein.« Denn Lügen koste Energie, Planung und Konzentration. Ehrlich zu sein, sei dagegen leichter. »Und das finde ich sehr ermutigend«, betont er.

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