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Sensor-Tattoos

Bei Zuckeranstieg Farbumschlag

Wissenschaftler der TU München haben Tätowierfarben entwickelt, die auf Änderungen der Zuckerkonzentration oder anderer Gesundheitsparameter mit einem Farbwechsel reagieren. Ein erster Test der Sensor-Tattoos auf isolierter Schweinehaut verlief erfolgreich.
Annette Mende
01.08.2019
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Die diagnostischen Tattoos werden wie Schmucktätowierungen in die Lederhaut (Dermis) eingebracht und verbleiben dort. Diese Hautschicht besteht aus Kollagen- und elastischen Fasern und enthält unter anderem Blutgefäße und Nerven. Wie das Team um Dr. Ali Yetisen im Fachjournal »Angewandte Chemie« berichtet, lassen sich mithilfe der Tattoos Konzentrationsänderungen in der Gewebeflüssigkeit von verschiedenen Metaboliten nachweisen.

So zeigte etwa ein Sensor aus Methylrot, Bromthymolblau und Phenolphthalein, den die Forscher in ein Stück Schweinehaut einbrachten, einen Anstieg des pH-Werts an: Die Farbe änderte sich von gelb zu blau. Ein weiterer Sensor, der unter anderem die beiden Enzyme Glucoseoxidase und Peroxidase enthielt, reagierte auf einen Anstieg der Glucosekonzentration mit einem Farbumschlag von gelb nach dunkelgrün. Und auch eine Änderung der Albuminkonzentration ließ sich durch einen entsprechenden Sensor per Tattoo auf der Haut verfolgen.

Die Forscher fotografierten die diagnostischen Tattoos mit einer Handykamera und rechneten die Farbänderungen mit einer Smartphone-App in Zahlenwerte um. Sie sehen in ihrer Entwicklung eine Möglichkeit, bestimmte Parameter bei Patienten permanent zu überwachen. So könnte ein entsprechendes Glucose-Tattoo für Diabetiker interessant sein, während das Albumin-Tattoo zur Überwachung der Leber- und Nierenfunktion infrage kommen könnte.

Durch Veränderungen der Sensoren könnte die Technik auf die Messung von Elektrolyten, Krankheitskeimen oder des Dehydrierungszustands des Patienten ausgeweitet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Zuvor muss das Verfahren jedoch in weiteren Studien eingehend getestet werden.

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