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Gesundheitsrisiken bei Adipositas

Bauchumfang messen nicht vergessen

Die Messung des Bauchumfangs sollte zur ärztlichen Routine gehören, wenn es darum geht, kardiometabolische Risiken bei Adipositas abzuschätzen, fordern Experten in einem Konsensus-Papier. Die Ermittlung des Body-Mass-Index reicht hierzu nicht aus.
Carolin Lang
04.02.2020  17:05 Uhr

Obwohl die Forschung seit Jahrzehnten Belege dafür findet, dass sich Risiken für das Herz-Kreislauf-System bei Adipösen besser einschätzen lassen, wenn ergänzend zum BMI der Bauchumfang (oder Taillenumfang) ermittelt wird, sei solch eine Messung nicht Routine in der klinischen Praxis, kritisieren die Experten in einer Publikation im Fachjournal »Nature Reviews Endocrinology«.

Die Autoren um Dr. Robert Ross von der Queen’s University in Kanada fassen die bisherigen Erkenntnisse zusammen, die belegen, dass der BMI allein nicht für eine Bewertung von mit Adipositas verbundener Morbidität und Mortalität ausreiche. So entwickelt zum Beispiel nur ein Teil der adipösen Menschen kardiometabolische Folgeerkrankungen wie etwa Diabetes Typ 2, andere bleiben metabolisch gesund.

Es sei zudem bekannt, dass für einen bestimmten BMI die Werte des Bauchumfangs stark variieren können. Erwachsene mit hohen Werten im Bauchumfang haben aber ein erhöhtes gesundheitliches Risiko, verglichen zu Patienten mit geringerem Bauchumfang und das in allen BMI-Kategorien. Personen mit dem höchsten kardiometabolischen Risiko lassen sich den Autoren zufolge durch die Kombination von BMI und Bauchumfang besser identifizieren als durch jede Messung allein.

Die Autoren argumentieren außerdem, dass die Adipositas-Prävalenz, nur erfasst durch Daten zum BMI, zu stagnieren scheine. Betrachte man allerdings die Daten zur abdominalen Adipositas-Prävalenz auf Basis von Messungen des Bauchumfangs, sei eine Zunahme zu erkennen. Dementsprechend wird davor gewarnt, dass das globale Gesundheitsrisiko im Zusammenhang mit Übergewicht unzureichend charakterisiert werde, wenn nur Prävalenzdaten auf Basis des BMI erfasst würden.

Die Autoren sind überzeugt, dass die Verringerung des Bauchumfangs ein wichtiges Behandlungsziel ist, um Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Fachleute im Gesundheitswesen sollen daher den Bauchumfang neben dem BMI bestimmen. Eine klinisch relevante Verringerung des Bauchumfangs könne durch Veränderung des Lebensstils erreicht werden, so die Autoren.

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