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Medizinische Versorgung

Barmer pocht auf Strukturwandel

Geht es nach der Barmer, dann sollte es möglichst bald keine Grenzen mehr zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor geben. Um diesen Strukturwandel in Deutschland zu beschleunigen, hat die Kasse heute ein Zehn-Punkte-Papier in Berlin vorgestellt. Darin fordert sie auch mehr Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, unter anderem zwischen Ärzten, Kliniken und Apotheken.
Jennifer Evans
25.04.2019
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Ziel des neuen Papiers sei es, Wege für eine »zeitgemäße Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Praxen« aufzuzeigen, so der Barmer-Vorstandsvorsitzende Christoph Straub. Das entlaste nicht nur alle Akteure im Gesundheitswesen, sondern fördere auch eine Versorgung, die sich allein am Bedarf des Patienten orientiere.

Die Leistungen einer »neu justierten Versorgungsplanung« müssten allerdings nach bundeseinheitlichen Kriterien definiert werden, so Straub. Ansonsten befürchtet er Reibungsverluste. Seiner Ansicht nach gehört diese Planung in die Hände der Selbstverwaltung. Ein neutrales Institut wie etwa das Statistische Bundesamt könne die Daten für Leistung und Abrechnung zusammenführen und daraus entsprechende Referenzwerte ableiten. Dort soll auch der Bedarf für die einzelnen Bundesländer ermittelt werden. Für die sektorenübergreifende Versorgungsplanung hingegen sieht die Kasse die Länder in der Pflicht.

Damit das System funktionieren kann, muss in den Augen der Kasse unerheblich sein, ob der Patient ambulant oder im Krankenhaus versorgt wird. Daher sieht das Zehn-Punkte-Papier eine einheitliche Vergütung sowohl für bestimmte fachärztliche Leistungen im ambulanten Bereich vor als auch für die Grund- und Regelversorgung im Krankenhaus. Denn schließlich spiele für den Patienten nur die schnelle Genesung eine Rolle und nicht der Behandlungsort, heißt es.

Austausch zwischen Apotheken, Kliniken und Arztpraxen 

Darüber hinaus schlägt die Barmer vor, künftig verschiedene Leistungsanbieter mithilfe regionaler Versorgungsverbünde zu vernetzen, um etwa in ländlichen Regionen die flächendeckende Versorgung zu sichern. Diese könnten aus Ärztenetzen, Kliniken oder Medizinischen Versorgungszentren heraus gemeinsam entwickelt werden, so Straub. Auch die Zusammenarbeit etwa mit Apotheken zählt dazu. Digitale Technologien sollen zudem den Austausch, insbesondere zwischen Ärzten, Kliniken und Apothekern unterstützen.

Dass die Versorgung in Deutschland nicht aus einer Hand erfolgt, hält Straub für nicht mehr zeitgemäß. In dieser Versorgungsstruktur liegt für ihn auch die Ursache für die Überversorgung in Metropolregionen sowie unwirtschaftlichen Doppelstrukturen. Deshalb begrüßt die Kasse, dass die Große Koalition eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe beauftragt hat, um eine sektorenübergreifende Versorgung auf den Weg zu bringen. Allerdings müssten auch die Akteure willens sein, bei »solch einem tiefgreifenden Systemwechsel« mitzuziehen, betont Straub.

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