Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2026 über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein Defizit von 3,0 Milliarden Euro. Der größere Teil dieses Defizits ist nach Aussage des BMG saisonüblich: So fließen die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatliche Zuweisungen in konstanter Höhe an die Krankenkassen, während die Einnahmen unterjährig erheblich schwanken und insbesondere im vierten Quartal aufgrund der Verbeitragung von Jahressonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld höher ausfallen.
Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen um 6,4 Prozent beziehungsweise 0,9 Milliarden Euro und damit etwas stärker als im Gesamtjahr 2025 (+5,7 Prozent). Auch in diesem Bereich liegt die Ausgabendynamik damit deutlich oberhalb der Zuwächse bei den beitragspflichtigen Einnahmen sowie oberhalb der durchschnittlichen jährlichen Zuwächse im Zeitraum 2013 bis 2024. Innerhalb der Arzneimittel verzeichnen die Aufwendungen für Arzneimittel im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung deutlich überdurchschnittliche Zuwächse (+29,6 Prozent beziehungsweise +242 Millionen Euro).
Aufgrund der finanziellen Schieflage der gesetzlichen Krankenversicherung arbeitet Gesundheitsministerin Warken derzeit an einem umfangreichen Spargesetz. Das Vorhaben ist aufgrund der teils empfindlichen Einschnitte umstritten. Gerade die Pharmaindustrie warnt immer wieder vor den geplanten Sparmaßnahmen. So verweist der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) angesichts der neuen Zahlen darauf, dass die Arzneimittelausgaben langsamer wachsen als die Gesamtausgaben der GKV.
»Das Ministerium betont wiederholt, dass die GKV-Ausgaben stärker wachsen als die Beitragseinnahmen. Die Fakten bestätigen das, allerdings darf eine Branche nicht für die gesamtwirtschaftliche Lage in Haftung genommen werden – etwa durch den geplanten dynamischen Herstellerabschlag und andere Maßnahmen. Dies entzieht der Branche jegliche Planungssicherheit«, sagt vfa-Präsident Han Steutel.
Die Politik müsse die veränderte Versorgungslage und die wirtschaftlichen Herausforderungen in ihren Reformvorhaben zusammendenken. »Für stabile Beitragssätze braucht es nachhaltige Antworten auf die strukturellen Finanzierungsprobleme der GKV statt punktueller Maßnahmen in einzelnen Leistungsbereichen. Das diskutierte Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird diesem Anspruch aus Sicht des vfa bislang nicht ausreichend gerecht«, so Steutel.