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Zum Schluss

Von Weltraumtoiletten und kariösen Saurierzähnen

21.12.2016
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Von Daniel Rücker / Europäischer Gerichtshof, Lieferengpässe, langes Warten auf eine versprochene Honorarerhöhung. 2016 hat die Apotheker Nerven gekostet. In den bislang 50 PZ-Heften des Jahres 2016 hat Ihnen die Redaktion einiges zugemutet. Doch so kurz vor Weihnachten wollen wir nicht weiter die Apokalypse beschwören. Wem nützt schon Dauertrübsal. Nicht nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten – auch gute Nachrichten haben ihren Wert. Diese Doppelseite ist die Rehabilitation von 2016 – so gut wie es eben geht.

Zu den guten Nachrichten des Jahres gehört ganz klar die Botschaft, dass der im Januar verstorbene David Bowie den Menschen vermutlich noch ein paar Jahrhunderte erhalten bleiben wird, vielleicht sogar noch länger. Unser Dank gilt an dieser Stelle dem Arachnologen Peter Jäger vom Frankfurter Sencken­berg-Institut. Species dieser Art hören ab sofort auf den Namen Hetero­poda davidbowie. Und die noch bessere Meldung ist, dass bereits Nachwuchs unterwegs ist. Der Fortbestand der Art ist also gesichert.

Leider muss offenbleiben, ob sich der britische Popstar über die Namensgebung gefreut hätte. Immerhin: Heteropoda david­bowie ist haarig und gelblich-braun und würde damit den Haaren von Bowie ähneln. Es ist übrigens kein Einzelfall, dass Spinnen nach Prominenten benannt werden. Sowohl Udo Lindenberg als auch Dieter Hildebrandt und Nina Hagen teilen die Erde mit Acht­beinern desselben Namens. Mit Prominenten-Namen wollen Spinnenforscher den Leumund der für Ökosysteme wichtigen Arachnoiden verbessern. Offen bleibt, ob bei der Namens­gebung immer eindeutig ist, wessen Beliebtheit dadurch steigt.

 

Spinnen tragen bisweilen nicht nur menschliche Namen, sie können auch sehr clever sein. Das gilt ganz besonders für Vertreter der Gattung Latrodectus, die in Deutschland »Echte Witwen« genannt werden. Den Namen verdanken die Weibchen ihrer Leiden­schaft, die Kopulation vorzeitig zum Schaden des Männchens zu beenden. Nun könnte man meinen, dass dieser Prozess nun einmal schicksalhaft ist und letztlich dem Fortbestand der Art dient. Bei der überwiegenden Mehrheit der Spezies haben sich die Männchen denn auch offenbar mit den mortalen Gemeinwohlpflichten arrangiert.

 

Doch zwei Arten scheren jetzt aus. Die Männchen Latrodectus geometricus und Latrodectus hasselti wollen beides: Sex und ein langes Leben. Mittel zum Zweck sind dabei juvenile Spinnenweibchen, die bald geschlechtsreif werden, vor der letzten Häutung stehen und noch keine Männchen fressen. Schon eine Häutung später ist Schluss mit dem Kuschelkurs. Wer sich im Alter der Dame verschätzt, bekommt massiven Ärger. Da sind die Spinnen wie die Menschen.

 

Wie den Menschen geht es bei den Zähnen auch den Dinosauriern. Die wurden offenbar auch von heftigem Zahnschmerz geplagt. Auch Tyrannosaurus Rex blieb davon nicht verschont, entdeckte der Paläontologe Oliver Hampe. Berlins Lieblingsdino Tristan war in Wirklichkeit ein zahnarmer ­Tiger. Finanziell ist Tristan allerdings auch mit Zahnproblemen ein Volltreffer. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 2016 rund 40 Prozent mehr Besucher.

 

Ab 40 geht’s bergab

 

Auch Bonobos, unsere nächsten Verwandten im Tierreich, müssen sich mit altersbedingten körperlichen Defiziten abfinden. Analog zu den Menschen geht es bei der vergleichsweise kleinen Schimpansen-Art ab 40 mit der Sehschärfe zügig bergab. Der Primatenforscher Heungjin Ryu stellte fest, dass ältere Bonobos beim Lausen mehr Abstand halten als junge Affen. Grund dafür ist nicht eine altersbedingte Skepsis gegenüber körperlicher Nähe, sondern Weitsichtigkeit. Zu nah am Fell des Gelausten erkennt der Senioraffe die zu lausenden Stellen nicht. Brillen haben Bonobos nicht, deshalb müssen sie einen Schritt zurückgehen, um ihr Werk in gewohnter Qualität zu Ende führen zu können. Schlamperei können sich die Affen nämlich nicht leisten. Schön sauber will der Partner nach dem Lausen sein. Alles andere wäre vermutlich ein Affront.

 

Eine gute Nachricht kommt dieser Tage auch von der NASA. Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde nimmt sich eines wirklich heiklen Themas an. Vermutlich kennt jeder diese Situation: Sie gehen spazieren, erfreuen sich des schönen Tages und sind rund fünf Kilometer von Ihrem Haus entfernt. Wie aus dem Nichts nimmt die Darmmotilität rapide zu. Schon auf der Erde ist dies keine schöne Sache. Noch unerfreulicher wird es, wenn der Spaziergang nicht im Wald, sondern zwischen Mars und Erde stattfindet. Bislang mussten Astronauten in dieser heiklen Situation Windeln unter dem Raumanzug tragen. Ein Spaß ist das nicht. Einen Tag halten diese aufsaugenden körpernahen Hilfsmittel. Sie verursachen dabei Hautausschläge und Infektionen, gibt die NASA Einblicke in einen speziellen Bereich des interstellaren Arbeitstages.

 

Kein großes Geschäft

 

Wer einen Ausweg aus diesem Dilemma findet, dem winkt ein ordentliches Preisgeld. 30 000 Euro hat die Weltraumbehörde ausgelobt. Mindestens sechs Tage lang muss die in den Astronautenanzug zu integrierende Weltraumtoilette die humanen Rückstände aufnehmen und verstauen können. Die PZ-Redaktion hatte sich kurzfristig überlegt, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Am Ende haben wir dann aber doch darauf verzichtet. 30 000 Euro für eine Weltraumtoilette sind aus unserer Sicht ein Almosen. Unter Wert verkaufen wir uns nicht. Und schon gar nicht für die NASA oder ein anderes unsinniges Weltraumprojekt.

Wo wir nun endgültig den animalischen Bereich verlassen haben, wenden wir uns zum Ende hin dem Menschen zu. Zur Weihnachtszeit sollte dies auch selbstverständlich sein. Und es gibt auch Anlass zur Freude, vor allem für Männer mit tiefen Stimmen, sofern sie hetero sind. Nach einer Unter­suchung der Pennsylvania-State-University stehen Frauen auf tiefe Männerstimmen. Sie vermuten angeblich, hinter einer tiefen Stimme stecke immer ein dominanter Mann, sagt Studienleiter David Puts. Allerdings dürfte hier die visuelle Kontrolle in vielen Fällen die Erwartung enttäuschen. Immerhin – so Puts – korreliert offenbar die Stimmfrequenz mit dem Testosteronspiegel. Inwieweit dies ein Selek­tionskriterium ist, müssen Frauen selbst entscheiden. Die Männer in der PZ-Redaktion haben trotz der in diesem Fall eher mäßigen Datenlage vorsorglich schon einmal geübt, eine Oktave tiefer zu sprechen. Ob es hilft? Sicher ist sicher.

 

Obacht ist in jedem Fall sinnvoll. Denn Männer finden tiefe Stimmen bei ihren Geschlechtsgenossen gar nicht schön. Im Gegenteil: Tiefe Stimmen schüchtern sie ein. Deshalb: Männer aufgepasst. Bevor ihr in sonores Sprechen verfallt, erst einmal genau hinschauen, wen ihr da eigentlich anbrummt.

 

Wer großzügig ist, muss nicht unbedingt die Stimmbänder schwingen lassen, wenn er auf der Suche nach einem Partner ist. Nach einer britischen Studie kommen großzügige Menschen bei anderen Menschen gut an. Das allein ist noch keine Überraschung. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist allerdings, dass Menschen großzügige Artgenossen den Reichen ihrer Art vorziehen. Großzügigkeit gelte als bleibende Charakterstärke, Reichtum als glück­licher Zufall mit unklarem Ausgang.

 

Einzeller des Jahres

 

Was jetzt noch fehlt, ist an dieser Stelle der jährliche Schmuddelkram. In diesem Jahr fällt er bescheiden aus. Wir werden schließlich alle älter. Deshalb flüchtet sich der Text an dieser Stelle in die akademische Erotik. Auslöser ist die Hochschule Merseburg, die mit dem berufsbegleitenden Studiengang »Sexologie – Sexuelle Gesundheit und Sexual­beratung« auf sich aufmerksam machen will. In dem Studium werden drängende Fragen geklärt: »Wie viel Sex braucht eine gute Beziehung?« oder »Was passiert, wenn die sexuelle Lust in einer Paarbeziehung verloren ist?« und »Wie groß ist der Bedarf an Sexual­beratern?« Alles Fragen, die die PZ-Redaktion ohne jegliche akademische Kenntnisse in dem Sujet perfekt beantworten könnte. Tun wir aber nicht, weil wir auch nicht wollen, dass in Zukunft Sextherapeuten die PZ machen. Schuster, bleib bei deinem Leisten.

 

Ganz zum Schluss werden wir noch ein wenig bizarr: Kennen Sie den Einzeller des Jahres? Kennen Sie nicht? Obwohl Sie Apotheker sind? Seien Sie froh. Der Name des Preisträgers lautet Trichomonas vaginalis. Weitere Erklärungen zu diesem Erreger erübrigen sich mit der Namensnennung. Warum die Gesellschaft für Protozoologie diese Wahl getroffen hat, bleibt das Geheimnis der Einzellerfreunde.

 

So bleibt uns nur, mit gespielter Gleichgültigkeit über den Fauxpas hinwegzugehen und daran zu erinnern, dass nicht alle Mikroben derart tückisch sind. Man denke nur an so possierliche Freunde des Menschen wie Acetobacter, Lactobazillen oder Hefepilze. Das nennen wir Einsatz und wünschen den großen und kleinen Helfern der Menschheit eine frohe Weihnacht. /

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