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Importierte Tropenkrankheit

Gelenkschmerzen durch Chikungunya-Fieber

02.12.2008
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Importierte Tropenkrankheit

Gelenkschmerzen durch Chikungunya-Fieber

Von Susanne Heinzl, Washington

 

Lebensbedrohlich ist das Chikungunya-Fieber zwar nicht . Es kann aber durch lang anhaltende Gelenkbeschwerden zu langen Arbeitsausfällen und einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Eine spezifische Therapie gibt es bislang nicht.

 

Das Chikungunya-Fieber ist eine durch das Chikungunya-Virus ausgelöste Infektion, die mit Fieber und teilweise den Patienten sehr belastenden Gelenkbeschwerden einhergeht. Die Inkubationszeit ist mit drei bis sieben Tagen relativ kurz. Dann kommt es zu Fieber und Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Ferner können Hautausschläge und Magen-Darm-Beschwerden auftreten. »Die Krankheit verläuft selten tödlich, aber die Gelenkbeschwerden können mehrere Monate bestehen bleiben«, erläuterte Professor Dr. Harold Townson, Liverpool School of Tropical Medicine, bei der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie und der amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten Ende Oktober in Washington. Normalerweise klingt die Erkrankung aber innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst und ohne Folgen wieder ab. Sie verleiht eine lebenslange Immunität. Häufig verläuft die Erkrankung sehr leicht und/oder wird nicht erkannt. Bislang gibt es keine spezifische Therapie und keine Impfung.

 

Das Chikungunya-Virus ist ein RNS-Virus, das zur Gattung Alphavirus aus der Familie der Togoviridae gehört. In Afrika dienen unter anderem Affen als Reservoir.

 

In den vergangenen Jahren wurde die jeweils gleiche Mutation (A226V) in einem Hüllprotein des Virus an drei unabhängigen Orten der Welt nachgewiesen, die die Übertragung des Virus erleichtern. »Eine einzige Mutation änderte den Verlauf der Epidemien«, so Townson.

 

Verbreitungswege

 

Das Chikungunya-Fieber wurde erstmals 1952 in Tansania beschrieben. Es wird durch verschiedene Stechmücken übertragen. Zusammen mit der asiatischen Tigermücke Aedes albopictus, die einer der Hauptüberträger des Chikungunya-Virus ist, hat sich die Erkrankung mittlerweile in fast alle Kontinente verbreitet.

 

Begünstigt wird die Verbreitung zum einen durch den enormen weltweiten Reiseverkehr, zum anderen durch den stark angestiegenen Handel mit alten Reifen. Aedes albopictus scheint Altreifen als Brutplatz besonders zu bevorzugen. Die etwa 5 mm große, schwarz-weiß gestreifte und sehr aggressive Stechmücke sticht bevorzugt am Tag und auch durch Kleidung hindurch. Die asiatische Tigermücke wurde inzwischen in vielen europäischen Ländern heimisch, so in Albanien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Spanien und der Schweiz. Auch in Deutschland wurden mittlerweile Eier nachgewiesen. Globale Erwärmung und vermehrte Feuchtigkeit sollen die Verbreitung begünstigen.

 

Ausbrüche in den letzten Jahren

 

Im Februar 2005 kam es zu einem größeren Ausbruch auf Inseln im Indischen Ozean wie Madagaskar, Mauritius, den Seychellen und La Réunion. Schwer betroffen war aufgrund der Mutation des Virus in eine leichter übertragbare Variante die französische Insel La Réunion, dort erreichte die Epidemie im Februar 2006 ihren Höhepunkt: Rund 266 000 Personen und damit ein Drittel der Inselbewohner waren infiziert, über 250 Todesfälle wurden auf die Infektion zurückgeführt. Frankreich entsandte 3000 Soldaten zur Mückenbekämpfung, es musste ein neues Krankenhaus zur Behandlung der Kranken eingerichtet werden. Die Epidemie hatte massive ökonomische Auswirkungen für das Touristenparadies, das ein beliebtes Ziel der Franzosen, vor allem im Winter, ist. Und mit den französischen Touristen gelangte die Infektion dann von La Réunion nach Frankreich, wo über 800 Fälle beobachtet wurden.

 

Von Juli bis Oktober 2007 kam es zu »einem der interessantesten Ausbrüche«, so Townson: in Italien, und zwar in der Provinz Ravenna (Region Emilia-Romagna). Fast 200 Menschen erkrankten. Vermutet wird, dass das Virus hier durch einen Reiserückkehrer aus Südindien eingeschleppt wurde. Es wurde in der lokalen Mückenpopulation bei Aedes albopictus nachgewiesen. Massive Mückenbekämpfungsmaßnahmen und die kühleren Herbsttage beendeten die italienische Epidemie.

 

Für Deutschland Meldepflicht

 

In Deutschland ist die meldepflichtige Erkrankung nach Angaben des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2006 bei 53 und im Jahr 2007 bei 32 Patienten aufgetreten, in der Regel wurde sie von einer Reise mitgebracht. Das Robert-Koch-Institut geht aber von einer Untererfassung aus (www.rki.de/cln_100/nn_656540/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2008/38/Art__01.html).

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