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Energy-Drinks statt Fasten vor der OP

05.12.2005
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Energy-Drinks statt Fasten vor der OP

dpa / Statt stundenlang zu fasten, sollen Patienten vor Operationen jetzt Energy-Drinks erhalten: Mit diesem neuen Trend in der Medizin sollen Eingriffe patientenfreundlicher werden, ohne dass das Risiko für Komplikationen steigt.

 

Damit werde die übliche Regel gelockert, sechs Stunden vor Operationen weder zu essen noch zu trinken, hieß es im Vorfeld eines Anästhesiekongresses in Münster. Zwar habe das Gebot für feste Nahrung weiterhin Bestand, kohlenhydrathaltige Getränke bis zu zwei Stunden vor dem Eingriff seien jedoch dem Wohlbefinden der Patienten äußerst zuträglich, sagte der Münsteraner Narkosespezialist Professor Dr. Hugo Van Aken mit Verweis auf aktuelle Studien.

 

Der Stress für Körper und Psyche vor einer OP sei immens, die verordnete Nüchternheit verstärke die Belastung zusätzlich. »Das ist ähnlich dem flauen Gefühl, dass man bei körperlich schwerer Arbeit bekommt, wenn man vorher nicht gefrühstückt hat«, sagte er. Das »Hungern vor Operationen« habe zudem negative Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel. Solche Störungen seien bislang allein mit dem Operationsstress begründet worden. Neue Untersuchungen stünden aber der ausschließlichen Ursache Stress entgegen und befürworteten den Einsatz energiereicher Getränke.

 

Die aufgelockerte Regel bezüglich »klarer Getränke« wie Tee und Wasser werde vielerorts zwar schon seit einigen Jahren praktiziert. Neu sei aber der Einsatz von Energy-Drinks, die ebenso leicht und schnell verdaulich, aber eben energiehaltiger seien. Das Sechs-Stunden-Gebot für feste Nahrung werde von den neuen Regeln nicht berührt. »Da bei einer Narkose die Körperreflexe lahm gelegt werden, besteht die Gefahr, dass Mageninhalt in den Rachen und dann in die Lunge gelangt«, erklärte Van Aken.

 

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