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Kuschelhormon

Ängste bewältigen mit Oxytocin

26.11.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Das Bindungshormon Oxytocin hemmt das Furchtzentrum im Gehirn und lässt Angstreize abklingen. Dies zeigt eine Untersuchung von Forschern des Bonner Uniklinikums, die nun im Fachjournal »Biological Psychiatry« veröffentlicht wurde. Der Botenstoff könnte in der Therapie von Angsterkrankungen eingesetzt werden.

Von Oxytocin ist seit Längerem bekannt, dass es nicht nur in der Mutter-Kind-Beziehung und bei Sexualpartnern eine bindungsfördernde Wirkung hat, sondern dass es auch angstlösend wirkt. Seinen Effekt beim Überschreiben von Angsterfahrungen konnten nun Wissenschaftler um Professor Dr. René Hurlemann von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn zusammen mit ihren Kollegen des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg und der Universität Chengdu in China nachweisen.

 

Das Team führte bei insgesamt 62 männlichen, gesunden Probanden eine Angstkonditionierung durch. Im Hirnscanner betrachteten die Testpersonen über eine Videobrille Fotos, zum Beispiel von menschlichen Gesichtern. Bei 70 Prozent der Bilder wurde ihnen über Elektroden an der Hand ein kurzer, unangenehmer Elektroschock versetzt. »Auf diese Weise wurden im Gedächtnis der Testpersonen bestimmte Bilder mit einer Angsterfahrung verknüpft«, sagt Hurlemann laut einer Pressemitteilung. Dass die Paarung aus einem bestimmten Foto und Schmerz tatsächlich im Gehirn der Probanden verankert war, wiesen die Wissenschaftler mit zwei Methoden nach: Die Elektroschockerwartung zeigte sich durch vermehrten Angstschweiß, der über die Hautleitfähigkeit gemessen wurde. Außerdem bewiesen die Hirnscans, dass immer dann die Angstregionen im Gehirn besonders aktiv waren, wenn ein angstbesetztes Foto betrachtet wurde.

 

Der Hälfte der Probanden wurde über ein Nasenspray Oxytocin verabreicht. Der Rest bekam ein Placebo. Dann begann die Phase der Extinktion, bei der die Angsterfahrungen überschrieben wurden, indem die Testpersonen mehrfach die gleichen Bilder wie zuvor zu sehen bekamen, aber keine Elektroschocks mehr auftraten. Bei den Männern unter Oxytocin-Einfluss war die Amygdala als das Angstzentrum im Gehirn insgesamt deutlich weniger aktiv als bei der Kontrollgruppe, furchthemmende Regionen waren hingegen erregter. Im Zeitverlauf führte der Botenstoff dazu, dass die Angst zunächst etwas größer war, dann aber viel stärker abklang als ohne Oxytocin. Die Wissenschaftler erklären dies durch die spezielle Wirkung des Botenstoffs: »Oxytocin verstärkt zunächst die bewussten Eindrücke der Probanden und damit die Reaktion auf die Elektroschocks, doch nach wenigen Minuten überwiegt die angstlösende Wirkung«, so Hurlemann.

 

Die Wissenschaftler hoffen, dass mithilfe des Oxytocins Angstpatienten schneller geholfen und ein Rückfall besser verhindert werden kann. Zudem fördere das Hormon wahrscheinlich die Bindung zwischen Therapeut und Patient und damit den Erfolg der Behandlung, vermuten die Forscher. »Doch das müssen erst noch klinische Studien erweisen«, sagt der Wissenschaftler der Bonner Uniklinik. /

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