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Europäische Arzneimittelagentur

And the winner is …

22.11.2017
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Von Ev Tebroke / Das Rennen um den wirtschaftlich attraktiven neuen Standort der Europäischen Arzneimittelagentur EMA ist gelaufen. Amsterdam wird nach dem Brexit neuer Sitz der Behörde. Das haben die Vertreter der 27 EU-Mitgliedsstaaten am Montag in Brüssel per Abstimmung entschieden.

Es war eine spannende Wahl: In dem dreistufigen geheimen Abstimmungsverfahren hatten zuletzt die Endkandidaten Mailand und Amsterdam gleich viele Stimmen. Per Losentscheid machten die Niederländer dann das Rennen. Um den Wechsel der Behörde von London an den neuen Sitz zügig umzusetzen, will die EMA ab sofort eng mit der niederländischen Regierung zusammenarbeiten. Die Zeit ist knapp, denn es bleiben nur noch 16 Monate. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU, Ende März 2019, muss alles stehen und die EMA am neuen Sitz voll funk­tions­fähig sein.

Gewaltiger Kraftakt

 

EMA-Direktor Professor Guido Rasi ist zuversichtlich, dass eine große Mehrheit der rund 900 EMA-Mitarbeiter mit der Behörde nach Amsterdam wechseln wird. Das hätten interne Umfragen ergeben. Nichtsdestotrotz ist der Standortwechsel ein gewaltiger Kraftakt und für alle Beteiligten ein schwieriges und komplexes Unterfangen. Denn auch in der Umzugszeit muss die für die Zulassung, Bewertung und Überwachung von Medikamenten in der EU zuständige Behörde handlungsfähig bleiben. Bereits im August hatte die EMA daher einen Plan aufgestellt, der Aufgaben und Aktivitäten nach Wichtigkeit in drei Ebenen ordnet und priorisiert. Durch das Zurückstellen einiger Aufgaben konnte die Agentur bis zum Jahresende 43 Mitarbeiter für die Vorbereitungen zum Standortwechsel freistellen.

 

Insgesamt hatten sich 19 Städte für den Sitz beworben, für Deutschland war Bonn ins Rennen gegangen. Mit dem Zuschlag kann Amsterdam nun von einem ordentlichen Wirtschaftsschub ausgehen. Denn die Arzneimittelbehörde lockte in London jedes Jahr Tausende von Experten aus aller Welt zu Konferenzen und Tagungen in die Stadt. Zudem dürfte die Ansiedlung der EMA auch den Zuzug weiterer Unternehmen aus dem Gesundheitssektor nach sich ziehen.

 

Die deutsche Pharmabranche sieht die Entscheidung positiv. Amsterdam sei eine gute Wahl, sagte Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittelhersteller. Die wichtigsten Faktoren, die die Arbeitsfähigkeit der EMA auch nach dem Brexit ermöglichen, seien dort gegeben. Auch der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie hält die Entscheidung für vernünftig. Amsterdam erfülle alle geforderten Kriterien, um die täglichen Aufgaben der Agentur reibungslos fortzuführen. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen begrüßt die Standortwahl ebenfalls und betonte zugleich, die Handlungsfähigkeit der EMA müsse während und nach dem Umzug gewährleistet sein.

 

Großer Zeitdruck

 

Den Umzugsprozess will die EMA nach eigenen Angaben transparent gestalten. Sowohl Interessenvertreter als auch die Öffentlichkeit sollen ab Dezember die Entwicklung und die einzelnen Schritte des Standortwechsels auf der EMA-Webseite verfolgen können. Am drängendsten ist der EMA zufolge die Frage des neuen Gebäudes. Bevor mit den erforderlichen Bauarbeiten begonnen werden kann, sind viele administrative Schritte nötig. So müssten die Pläne zunächst von den lokalen und den entsprechenden EU-Behörden genehmigt werden. Dies nimmt laut EMA in der Regel sechs bis acht Monate Zeit in Anspruch. Für die notwendige Ausrüstung und Ausstattung veranschlagt die Behörde noch einmal 12 bis 15 Monate Zeit. Um den Zeitplan einzuhalten, sollen Prozesse und Arbeiten parallel statt sukzessive ausgeführt werden.

 

Auch gilt es, für Hunderte EMA-Mitarbeiter adäquate bezahlbare Wohnungen zu finden. Diese müssen zudem über eine gute Verkehrsanbindung zu dem neuen EMA-Sitz verfügen. Darüber hinaus benötigen rund 600 Schulkinder unterschiedlicher Altersstufen Schulplätze. Amsterdam soll nun spätestens bis Februar 2018 entsprechende Informationen und Angebote liefern. /

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