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Wundheilung

Sartan auf Abwegen

08.11.2017  10:18 Uhr

Von Annette Mende / Der AT1-Antagonist Valsartan kann, als Gel auf eine Wunde aufgetragen, die Wundheilung verbessern. Nachdem Tierversuche mit Mäusen und Schweinen vielversprechend verliefen, wollen US-amerikanische Forscher der Johns Hopkins Universität in Baltimore baldmöglichst erste Tests am Menschen starten.

 

Das Prinzip könnte vor allem Diabetikern und älteren Patienten zugutekommen, bei ­denen die Wundheilung gestört ist, schreibt die Gruppe um Dr. Peter Abadir im »Journal of Investigative Dermatology« (DOI: 10.1016/j.jid.2017.09.030).

Die Wirksamkeit von Valsartan in dieser Indikation beruht darauf, dass auch die Haut über ein Renin-Angiotensin-System (RAS) verfügt. Dieses ist an verschiedenen Vorgängen beteiligt, die bei der Wundheilung eine Rolle spielen, unter anderem Entzündungsreaktionen und Kollagenablagerung. Wie die Johns Hopkins Universität mitteilt, konnte in Studien gezeigt werden, dass bei Diabetikern und Älteren eine Dys­regulation des RAS vorliegt.

 

Die Forscher um Abadir testeten ­daher verschiedene Gelformulierungen mit den AT1-Antagonisten ­Losartan oder Valsartan oder dem ACE-Hemmer Captopril in unterschiedlichen Konzentrationen auf ihr Potenzial zur Verbesserung der Wundheilung bei Mäusen. Als am besten wirksam erwies sich ein 1-prozentiges Valsartan-Gel, und zwar wenn es ab dem siebten Tag nach ­Zufügen einer Wunde auf diese aufgebracht wurde. Zu diesem Zeitpunkt ist die inflammatorische Phase der Wundheilung abgeschlossen und das Gewebe befindet sich in der Proliferationsphase.

 

Bei jungen Mäusen mit Diabetes und alten Mäusen führte die Behandlung mit dem 1-prozentigen Valsartan-Gel in 50 Prozent der Fälle zu einer kompletten Wundheilung, eine Placebo-Behandlung im Gegensatz dazu nur in 10 Prozent der Fälle. Anschließend testeten die Forscher das Gel an alten diabetischen Schweinen, weil Schweinehaut der menschlichen ähnlicher ist als die von Mäusen. Bei den Schweinen führte die Gelbehandlung bei allen behandelten Tieren zu einem kompletten Wundschluss innerhalb von 50 Tagen, unter Placebo heilte in dieser Zeit keine einzige Wunde ab. Die neu gebildete Haut war durch die Valsartan-Behandlung zudem stabiler; sowohl die Epidermis als auch die Kollagenschicht waren dicker und die Kollagenfasern regel­mäßiger angeordnet.

 

Abadir weist darauf hin, dass die Valsartan-Konzentration im Blut der Schweine äußerst gering war. Lediglich zu Beginn der Behandlung seien 1 bis 50 Nanomol (nmol) gemessen worden, im späteren Therapieverlauf dann gar nichts mehr. Zum Vergleich: Nach oraler Gabe des Sartans werden 4000 bis 5000 nmol erreicht. Eine Absorp­tion des topisch angewen­deten Blutdrucksenkers mit ­unerwünschten systemischen Wirkungen als Folge sei daher unwahrscheinlich. /

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