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Autismus

Diagnose häufig erst bei Erwachsenen

25.10.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Etwa 1 Million Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) leben in Deutschland, davon etwa die Hälfte mit einem sogenannten hochfunktionalen Autismus.

 

Der Anstieg der ASS-Prävalenz beruhe auf der häufigeren Diagnose bei Erwachsenen, die meist am hochfunktionalen Autismus oder dem Asperger-Syndrom leiden, berichtete Dr. Hella Parpart vom Max-Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie bei der Münchner Woche für Seelische Gesundheit.

»Bei vielen Betroffenen wird Autismus nicht erkannt, sondern nur Komorbiditäten behandelt. Für eine umfassende Diagnose sollte an Spezialambulanzen überwiesen werden«, empfahl die Psychologin. Die Ambulanz am MPI sei offen für Erwachsene mit Verdacht auf eine psychische Erkrankung, die zu Schwierigkeiten in der sozialen Inter­aktion führt. Für Erwachsene mit bestehender Diagnose habe das MPI im April 2017 die deutschlandweit erste Tagklinik eröffnet. Sie bietet 16 Therapieplätze für eine sechswöchige ­Behandlung mit Einzel- und Gruppentherapien.

 

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in den ersten drei Lebensjahren beginnt und im ­Erwachsenenalter bestehen bleibt. Kennzeichnend sind Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion und Kommunika­tion sowie stereotype, ­repetitive Verhaltensweisen. Parpart ­unterschied den frühkindlichen Autismus mit schweren Störungen und ­teilweiser Intelligenzminderung, den atypischen Autismus und das Asperger-Syndrom.

 

Der hochfunktionale Autismus sei eine Unterform der frühkindlichen Störung, werde aber häufig dem Asperger-Syndrom zugeordnet, erklärte Parpart. Dieser und das Asperger-Syndrom ­seien nicht klar abgrenzbar, vor allem bei Erwachsenen. Bei beiden Formen haben die Patienten einen hohen bis überdurchschnittlichen IQ.

 

Viele Betroffene arbeitslos

 

Therapieziele sind die Behandlung ­komorbider Erkrankungen wie Angststörungen und Depression, Ausbau von Kompensationsstrategien für Einschränkungen, die nicht geändert werden können, Förderung der Selbst­akzeptanz und das Erlernen neuer Fähigkeiten. Praktisch wichtig sind eine berufsorientierte Therapie und Sozialberatung. »Unterstützungsbedarf besteht besonders bei der beruflichen ­Integration, da Personen mit hochfunktionalem Autismus trotz beruf­licher Qualifikation mehrheitlich arbeitslos sind«, erklärte Parpart. Heilbar sind ASS bislang nicht. /

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