Pharmazeutische Zeitung online
Tag der Pharmazie

Werbung für einen schönen Beruf

21.10.2013  14:58 Uhr

Von Annette Mende, Jena / Apotheker sind nur akademische Schubladenzieher, die im weißen Kittel Kopfschmerztabletten verkaufen? Mit diesem Klischee wurde beim Tag der Pharmazie in Jena gründlich aufgeräumt. 1500 Schüler aus ganz Thüringen nutzten die Gelegenheit, sich über das Pharmaziestudium und die beruflichen Möglichkeiten für Apotheker zu informieren.

Ein beeindruckender Stapel Kruken empfängt die Besucher des Carl-Zeiss-Campus am Ernst-Abbe-Platz in Jena, davor freundlich lächelnde Apotheker, die jedem eine in die Hand drückten. »Basiscreme DAC mit etwas Olivenöl und Citronella, ein kleines Andenken an den Tag der Pharmazie«, wirbt ein Apotheker aus Jena für die Handcreme aus Eigenproduktion. Angesichts der Höhe des Krukenbergs wird klar: Da hat jemand tagelang im Labor gestanden, gerührt und abgefüllt. »Das war schon eine Menge Arbeit, aber wir wollten die Aktion hier gerne unterstützen«, so der Apotheker.

Diese Einstellung ist exemplarisch für die zahlreichen Studierenden, Doktoranden, Professoren und Apotheker, die den Schülern an diesem Aktionstag Lust auf das Pharmaziestudium machen wollen. Sie haben alle Hände voll zu tun, denn mit 1500 Gymnasiasten ab Klasse 10 hat sich die Zahl der Teilnehmer gegenüber dem ersten Tag der Pharmazie vor zwei Jahren mehr als verdoppelt. Der Andrang übersteigt sogar die Kapazität des Audimax, sodass die Teilnehmer für die dort stattfindenden Veranstaltungen aufgeteilt werden müssen.

 

Zeichen an die Politik

 

Organisiert hat den Aktionstag die Landesapothekerkammer Thüringen (LAKT) gemeinsam mit dem Thüringer Apothekerverband sowie der Fachschaft und dem Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. »Für uns als Kammer ist das heute die größte und bedeutendste Nachwuchskampagne dieses Jahres«, sagte Ronald Schreiber, Präsident der LAKT. Man wolle damit auch ein Zeichen an die Politik senden: Nicht nur bei den Ärzten drohe ein Fachkräftemangel, sondern auch bei den Apothekern. »Die Nachwuchssorgen der Apotheken sind in der Öffentlichkeit weniger bekannt. Vor allem in den ländlichen Regionen Thüringens wird aber heute schon sehr deutlich: Wir brauchen mehr Apotheker«, betonte Schreiber. Es sei daher dringend erforderlich, mehr Pharmazie-Studienplätze zu schaffen – auch in Jena. Für den Staat sei das eine lohnende Investition in zukunftsträchtige Berufe.

 

Arbeitslosigkeit so gut wie ausgeschlossen


»In Thüringen haben wir ein Verhältnis von arbeitssuchenden Apothekern zu Ar­beits­platzangeboten von 1:10«, sagte auch Danny Neidel, Geschäftsführer der LAKT. 

»Das ist quasi eine Jobgarantie für alle erfolgreichen Absolventen des Studien­gangs.« Zusammen mit Dr. Susanne Kunze, Offizin-Apothekerin in Tabarz, Maja Schulte, Mitarbeiterin von Bayer in Weimar, Dr. Manuela Pertsch, Krankenhausapothekerin in Gera, und Dr. Dagmar Fischer, Professorin für Pharmazeu­ti­sche Technologie in Jena, bestritt er eine Podiumsdiskussion zum Thema »Pharmazie hat viele Gesichter«. Denn darum ging es vor allem: Den Schülern einen Eindruck davon zu vermitteln, welche Möglichkeiten ihnen nach einem Pharmaziestudium offenstehen.

»Jeder von uns kommt ständig in Kontakt mit Errungenschaften der pharma­zeutischen Forschung. Doch in den meisten Fällen merken wir das überhaupt nicht«, führte Moderatorin Dr. Anette Schenk, Lektorin beim Govi-Verlag in Eschborn, in das Thema ein. Anti­bioti­ka und Antidiabetika seien nur zwei Beispiele für Wirkstoffklassen, die schon unzähligen Patienten das Leben erhalten hätten. Apotheker hätten zum einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung neuer Arzneistoffe und sorgten zum anderen dafür, dass diese richtig angewendet würden.

»Wir Pharmazeuten haben eine Mittler­funktion zwischen den Natur­wis­sen­schaften und der Medizin«, sagte Fi­scher. Die im Studium gelegte breite Basis aus natur&shy,wis­sen­schaft­li­chem Wis­sen in Chemie, Physik und Biologie einerseits und me­di­zi­ni­schen Grund­­kennt­­nis­­sen unter anderem in Anatomie und Physiologie andererseits sei dafür die Voraussetzung. Apotheker sind also All­roun­der und als solche be­gehr­te Ar­beits­kräf­te. »Unsere Dok­to­ran­den ha­ben häufig schon im letzten Jahr ihrer Dissertation eine Stelle«, berichtete die Professorin.

Zwar stehen Apotheker in der Pharma­industrie bei der Jobsuche teilweise in Konkurrenz etwa mit Chemi­kern oder Biologen. Es gibt aber Stellen, die in hohem Maße auf Apo­the­ker zuge­schni­tten sind. Dazu gehören alle Auf­gaben, die von einer sachkundigen Person laut Arz­nei­mit­tel­ge­setz wahr­ge­nom­men werden müssen. »Das ist zum Beispiel die Freigabe von Chargen in der Her­stel­lungs- und Quali­täts­si­che­rung«, sagte Schulte. Stressresistenz, aber auch Offenheit im Umgang mit Kollegen anderer Ab­tei­lungen seien Ei­gen­schaf­ten, die Bewerber mitbringen sollten.

Andere Einsatzgebiete in der Pharmaindustrie sind die Forschungs- und Entwicklungs- sowie die Zulassungsabteilungen. »In der Forschung und Entwicklung braucht man einen Hang zum Tüfteln, Genauigkeit und die Fähigkeit, Niederlagen wegzustecken. In der Zulassung sind vor allem exzellente Englischkenntnisse, Genauigkeit und Zuverlässigkeit gefragt«, beschrieb Schulte. Die Arbeitsfelder seien vielfältig, den einen klar definierten Industrieapotheker gebe es nicht.

 

 

Vielfältig sind auch die Aufgaben, die Apotheker in der Offizin erwarten. »Alle, die glauben, dass wir nur akademische Schubladenzieher sind, lade ich herzlich ein, einmal bei uns in der Apotheke hinter die Kulissen zu schauen«, sagte Kunze. Die intensive Beratung der Kunden nimmt dabei großen Raum ein, aber auch die Kommunikation mit Ärzten und die Rezepturherstellung spielen eine Rolle. »Um in der öffentlichen Apotheke glücklich zu werden, muss man daher nicht nur ein guter Naturwissenschaftler sein, sondern gerne mit Menschen umgehen, neugierig, ehrlich und authentisch sein«, so Kunze.

 

Als Apotheker im Krankenhaus

 

Der direkte Kundenkontakt fällt in der Krankenhausapotheke unter Umständen weg. »Dort sind in erster Linie Ärzte und Krankenpfleger unsere Ansprechpartner«, sagte Pertsch. Mit ihnen besprechen Krankenhausapotheker Probleme der Arzneimittelanwendung oder gegebenenfalls die nötige Umstellung von Patienten auf Präparate, die in der Klinik gelistet sind. Leider sei es in deutschen Kliniken noch nicht überall üblich, dass sich Apotheker auf Station um die Optimierung der Medikation kümmern. »Man muss sich einmischen«, beschrieb Pertsch die Herausforderung für Apotheker. Ergebnisse aus anderen Ländern zeigen sehr deutlich, dass die Patienten davon profitieren.

 

Eine weitere Aufgabe der Krankenhausapotheke ist die Herstellung von Zytostatika- und anderen sterilen Zubereitungen. Wie das funktioniert, konnten die Schüler an einem Stand in der Uni selbst ausprobieren. Gar nicht so einfach, beim Hantieren mit der Dummy-Wirkstofflösung und dem Infusionsbeutel alles richtig zu machen! Andernorts konnten die Besucher pipettieren, mikroskopieren, die Anwendung von Inhalationshilfen üben und nicht zuletzt die Begrüßungs-Handcreme einmal selbst anrühren.

 

Strapaziert wurden dabei vor allem die Stimmbänder der Freiwilligen an den Ständen. So mancher war schon mittags vom vielen Erklären ganz heiser. Doch als guter Apotheker weiß man ja auch in solch einem Fall, was zu tun ist. /

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