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Hirndoping

Stimulanzien machen wacher, aber nicht klüger

24.07.2018  11:40 Uhr

Von Annette Mende / Studenten, die durch Stimulanzien ihre Lernfähigkeit verbessern wollen, erreichen damit wahrscheinlich genau das Gegenteil des beabsichtigten Effekts. In einer jetzt im Fachjournal »Pharmacy« veröffentlichten Studie machte die Einnahme von Amfetamin gesunde Studenten zwar wacher, wirkte sich aber nur minimal auf die Neurokognition aus. Das Arbeitsgedächtnis, das Lernende brauchen, um sich Inhalte zu merken, wurde sogar negativ beeinflusst – ein für die Autoren um Professor Dr. Lisa Weyandt von der University of Rhode Island überraschender Befund (DOI: 10.3390/pharmacy6030058).

 

An der Untersuchung nahmen 13 Studenten ohne Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) teil. Sie unterzogen sich in zwei Sitzungen jeweils umfangreichen neurokognitiven Tests, mit denen Kurzzeitgedächtnis, Leseverständnis und Redegewandtheit evaluiert wurden.

Vor einer der beiden Sitzungen erhielten die Teilnehmer doppel­blind eine Tablette mit 30 mg ­gemischten Amfetamin-Salzen (Adderall®), vor der anderen Placebo. Im Anschluss an die Untersuchungen berichteten die Teilnehmer zudem über die gefühlte körperliche und emotionale Wirkung der jeweiligen Tablette.

 

Erwartungsgemäß erhöhten sich Blutdruck und Puls durch die Amfet­amin-Einnahme, aber auch die gute Laune der Probanden und dadurch die subjektive positive Einschätzung der Wirkung des Medikaments. »Dies sind klassische Wirkungen von Psycho­stimulanzien«, so Weyandt in einer Mitteilung der Universität. Die Auswirkungen auf die Kognition waren dagegen uneinheitlich und viel schwächer ausgeprägt. So erhöhte sich zwar die Aufmerksamkeit der Studenten, ihr Arbeitsgedächtnis litt jedoch unter der Amfetamin-Einnahme. Dieses Ergebnis sei wichtig, so Weyandt; es bedeute, dass die kognitiven, emotionalen und autonomen Wirkungen des Stimulans getrennt voneinander betrachtet werden müssten.

 

Wohlgemerkt: Diese Differenzierung sei nur bei Gesunden zu machen, die Amfetamin missbräuchlich zum Neuroenhancement anwenden. Bei ADHS-Patienten sehe die Sache anders aus. Sie hätten in Hirnregionen, die die Exekutivfunktion kontrollieren, zumeist eine niedrigere Aktivität als ­Gesunde. Diese Aktivität werde durch Stimulanzien erhöht. »Um von der Medikation zu profitieren, muss vorher ein Defizit vorhanden sein«, so die Autorin.

 

Wegen der sehr geringen Teilnehmerzahl der Studie ist ihre Aussagekraft gleichwohl beschränkt. Die Forscher wollen ihre Ergebnisse daher in weiteren, größeren Untersuchungen überprüfen. /

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