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Prävention

Ärzte wollen Beratungshoheit

13.06.2017
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Von Stephanie Schersch / Der Vorstoß der Apotheker, sich künftig stärker in die Gesundheitsvorsorge einzubringen, stößt bei den Ärzten auf massive Kritik. Eine unabhängige Beratung zu Präven­tionsthemen ist aus ihrer Sicht am HV-Tisch gar nicht möglich.

Für Wieland Dietrich ist die Sache klar: Eine Präventionsberatung beim Arzt sei etwas ganz anderes als die Beratung zu Medikamenten in der Apotheke, sagte der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft vergangene Woche in Essen. Wenige Tage zuvor hatte die ABDA in Berlin die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Prävention vorgestellt. Am Gesundheitszustand der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahren demnach kaum etwas verändert, bestehende Präventions­instrumente greifen also offenbar zu kurz.

Jeder vierte Deutsche wünscht sich zudem mehr Vorsorgeangebote in Apotheken. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hatte vor diesem Hintergrund gefordert, die Apotheker endlich in den sogenannten Leitfaden Prävention der Krankenkassen aufzunehmen. Erst dann können Apotheker auch Dienstleistungsverträge über Vorsorgeleistungen mit den Kassen abschließen und eine entsprechende Vergütung vereinbaren.

 

Dietrich wertet diesen Vorstoß offenbar als Angriff auf die Ärzteschaft und sieht die friedliche Koexistenz der Heilberufe in Gefahr. »Die Apotheker lehnen sich hier weit aus dem Fenster«, sagte er. »Dann könnten Ärzte umgekehrt fordern, in ihren Praxen auch Medikamente abzugeben und zu verkaufen.« In der Schweiz funktioniere ein solches System bereits sehr gut. ABDA-Präsident Schmidt mische sich in die Tätigkeit von Haus- und Fachärzten ein, »während die meisten Apotheker vor Ort mit ganz anderen Problemen wie dem zunehmenden Onlineverkauf von Medikamenten kämpfen und bei derlei Vorschlägen dankend abwinken«.

 

Die Apotheke ist Dietrich zufolge der völlig falsche Ort für eine Beratung etwa zur Raucherentwöhnung oder Ernährung. Schließlich sei der Verkauf von Arzneimitteln und Pflegeprodukten ein Hauptgeschäft der Apotheker. Ohnehin sei ein vertrauliches Gespräch mit den Patienten an einem Verkaufstresen anders als in der Arztpraxis nicht möglich.

 

Genug Arbeit für alle

 

Die ABDA reagierte gelassen auf die Kritik der Ärzte. »Unsere Umfrage zeigt: Es gibt noch viel zu tun im Bereich Gesundheitsvorsorge – und genug Arbeit für alle Berufsgruppen«, sagte eine Sprecherin. Die Politik habe den Apothekern Aufgaben im Bereich der Prävention zuerkannt »und diese wollen wir verstärkt umsetzen«. Laut Apothekenbetriebsordnung zählen zu den apothekenüblichen Dienstleistungen auch Vorsorgeangebote wie etwa die Beratung in Gesundheits- und Ernährungsfragen. /

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