Pharmazeutische Zeitung online
Interview

Dem Bandscheibenvorfall lebenslang vorbeugen

13.06.2016  14:47 Uhr

Von Nicole Schuster / Wie man Schäden an den Bandscheiben vorbeugen kann, erklärt Professor Dr. Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie an der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfall­chirurgie e.V. (DGOU), im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung.

PZ: Führt altersbedingter Bandscheibenverschleiß immer zu Beschwerden?

 

Kladny: Bandscheibenverschleiß ist nicht grundsätzlich krankhaft. Es gibt auch einen normalen Alterungsprozess ohne Krankheitswert. 

 

In wissenschaftlichen Untersuchungen mit Magnetresonanztomografie bei Menschen ohne Kreuzschmerzen hatten nur 40 Prozent eine normale Wirbelsäule, bei 60 Prozent fanden sich auffällige Veränderungen. Von einem krankhaften Geschehen sprechen wir erst dann, wenn Symptome wie Schmerzen auftreten. Der Entstehung von Beschwerden lässt sich mit einem rückenschonenden und die Muskulatur stärkenden Verhalten entgegenwirken.

 

PZ: Warum ist eine gut ausgebildete Muskulatur so wichtig für die Bandscheiben?

 

Kladny: Die Wirbelsäule kann man sich wie den Mast eines Schiffs vorstellen. Ein Mast hat nur dann Halt im Schiff, wenn er zusätzlich mit Seilen am Rumpf des Schiffs fixiert ist. Auch die Wirbelsäule braucht einen zusätzlichen Halt. Anstelle von Seilen ist das hier die Muskulatur.

 

PZ: Ist Belastung grundsätzlich schlecht für die Bandscheiben?

 

Kladny: Nein, auf keinen Fall. Es kommt auf die Art der Belastung an. Dabei ist Abwechslung, also eine regelmäßige Be- und Entlastung der Bandscheiben sehr wichtig für deren Ernährung und wirkt ihrer Alterung entgegen.

 

PZ: Und welche Bewegungen sind eher negativ?

 

Kladny: Bewegungen, die Mikrotraumatisierungen im Faserring der Bandscheiben verursachen können, sollten vermieden werden. Dazu gehören ­ungünstige Beuge- und Drehbelastungen, etwa beim Heben eines ­Getränkekastens in den Kofferraum des Autos.

 

PZ: Was raten Sie Menschen, die einer sitzenden Tätigkeit am Schreibtisch nachgehen?

 

Kladny: So viel Bewegung wie möglich! Dazu gehört schon, nicht immer in der gleichen Haltung am Schreibtisch zu sitzen, sondern sich ruhig mal zu den Seiten neigen, den Rücken mal eher gekrümmt, dann wieder gerade halten. Ihn auf Dauer in der natürlichen S-Form zu halten, ist nicht durchzuhalten. Es ist auch wichtig, regelmäßig aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Anstelle sitzend am Schreibtisch kann man die Arbeit vielleicht auch an einem Stehpult erledigen. Wer beruflich wenig Bewegung hat, sollte für einen ­Ausgleich in der Freizeit sorgen.

 

PZ: Welche Sportarten sind rückenfreundlich und daher besonders empfehlenswert?

 

Kladny: Grundsätzlich ist jede Art von Bewegung und zwar möglichst lebenslang gut. Die Wirbelsäule sollte dabei gleichförmig belastet werden und in natürlicher Haltung verbleiben. Das ist bei vielen Ausdauersportarten der Fall, etwa beim Langlauf, Walking oder beim Kraulen und Rückenschwimmen. Auch gezieltes Krafttraining zum Muskelaufbau tut dem Rücken gut. Ungünstig sind unkontrollierte Bewegungen, wie sie beim Tennis oder bei Mannschaftssportarten wie Fußball auftreten. /

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