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EMA

Hohe Ibuprofen-Dosen gefährden das Herz

26.05.2015
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Von Kerstin A. Gräfe / Patienten mit bestehenden ernsten Herz-Kreislauf- Erkrankungen und solche, die kürzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben, sollten Ibuprofen-Tagesdosen ab 2400 mg meiden.

 

Zu diesem Schluss kommt nun auch die Koordinierungsgruppe der gegenseitigen Anerkennung und Dezentralen Verfahren (CMDh). Sie folgt damit den Empfehlungen des Ausschusses für Arzneimittelsicherheit PRAC der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

Das PRAC-Review zeigte, dass die Einnahme von hoch dosiertem Ibuprofen mit einem ähnlichen Risiko für Herz und Gefäße einhergeht wie die von Diclofenac und COX-2-Hemmern. Dagegen sind Tagesdosen bis zu 1200 mg Wirkstoff, wie sie bei Ibuprofen-haltigen OTC-Medikamenten empfohlen werden, mit keinerlei Erhöhung des kardiovaskulären Risikos verbunden.

 

Der PRAC empfiehlt, dass Ärzte die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- Erkrankungen prüfen sollten, bevor sie bei einem Patienten eine Langzeit­behandlung mit oralem Ibuprofen initiieren, insbesondere in hohen Dosen. Zu den Risikofaktoren zählen Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte.

 

Zudem sollten Hersteller in der Produktinformation künftig auf die neuen Erkenntnisse zum kardiovaskulären Risiko hoher Tagesdosen des Wirkstoffs sowie auf eine potenzielle Wechselwirkung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) hinweisen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass Ibuprofen die gerinnungshemmende Wirkung von ASS reduzieren kann. Der Effekt ist laut PRAC jedoch abhängig von der Länge der Ibuprofen-Einnahme. Eine gelegentliche Einnahme von Ibuprofen beeinflusse die positiven Effekte von ASS zur Vorbeugung von Herz­infarkten und Schlaganfällen nicht.

 

Die Empfehlungen gelten ebenfalls für das Enantiomer Dexibuprofen; in diesem Fall für Dosen ab 1200 mg pro Tag. Nachdem nun der CMDh zugestimmt hat, sind die PRAC-Empfehlungen in allen EU-Ländern sofort umzusetzen. /

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