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Pille danach

Koalition stimmt gegen Freigabe

21.05.2013
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Von Stephanie Schersch / Die Pille danach wird es in Deutschland auch in Zukunft nur auf Rezept geben. Im Gesundheitsausschuss des Bundestags stimmte die schwarz-gelbe Koalition gegen zwei Anträge auf Freigabe von Notfallverhütungsmitteln mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, die SPD und Linkspartei vorgelegt hatten.

Zur Begründung verwies die Unionsfraktion darauf, dass es in Deutschland neben Levonorgestrel mit Ulipristal noch ein weiteres Notfallkontrazeptivum gebe. Dies sei das bessere Medikament, könne aufgrund der EU-Zulassung in Deutschland aber nicht aus der Verschreibungspflicht entlassen werden.

Gegen die alleinige Freigabe von Levo­norgestrel sprechen aus Sicht von CDU und CSU stärkere Nebenwirkungen und eine schwächere Wirksamkeit. In England und Frankreich sei mit der Freigabe der Notfallverhütung zudem die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche angestiegen. Eine ärztliche Beratung bei der Verwendung der Medikamente hält die Union grundsätzlich für nötig.

 

Zweifel an guter Beratung

 

Das sehen die Liberalen ähnlich. Es sei nur schwer vorstellbar, dass eine angemessene Beratung im Apothekenverkaufsraum stattfinden könne, hieß es bei der FDP. Die Fraktion nannte es zudem problematisch, die Pille danach »mit Kopfschmerztabletten gleichzusetzen«. Mit der Aufhebung der Verschreibungspflicht werde aber genau dies getan.

 

Aus Sicht der Grünen führt die Koalition fadenscheinige Argumente an. Die Gegner der Freigabe hätten vor allem berufsständische und wirtschaftliche Interessen. Insgesamt sei die Abtreibungsrate in Deutschland niedrig und man müsse »dafür sorgen, dass das so bleibt«, so die Grünen. In einigen Teilen Deutschlands sei der Zugang zu Notfallverhütungsmitteln allerdings extrem erschwert, da es hier besonders viele katholische Krankenhäuser gebe. Dadurch könne es zu ungewollten Schwangerschaften und Abbrüchen kommen. Auch das Argument, Ulipristal sei das bessere Medikament, wollten die Grünen nicht gelten lassen Die Wirksamkeitsstudien ließen einen solchen Schluss nicht zu, so die Fraktion. Bereits seit 2003 gebe es eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das Präparat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen.

 

Auch die Linke betonte, ihr Antrag auf Freigabe der Pille danach folge Empfehlungen des BfArM und der Weltgesundheitsorganisation. Neben der Aufhebung der Verschreibungspflicht forderte die Linkspartei auch, dass die Krankenkassen die Kosten für das Notfallverhütungsmittel für Frauen bis zum 20. Lebensjahr übernehmen.

 

Die SPD-Fraktion verwies auf die Erfahrungen in anderen Ländern. Die Pille danach sei in 78 Nationen rezeptfrei, von gesundheitlichen Beeinträchtigungen habe man dort nie gehört. Es gebe daher keinen Grund gegen die Rezeptfreiheit der Präparate, so die SPD. Auch in Deutschland müsse man sich der Frage nach mehr sexueller Selbstbestimmung stellen. /

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