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OTC-Markt

Positive Signale

13.05.2015
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OTC-Arzneimittel sind für Apotheker wichtig. Das gilt aber auch umgekehrt: Die Empfehlungen der Apotheker seien ein entscheidender Faktor dafür, dass Patienten ein bestimmtes Arzneimittel kaufen, sagte Walter Pechmann, Key Account Manager des Informationsdienstleisters GfK.

Die Apotheker sind immer noch die wichtigste Berufsgruppe im OTC-Geschäft. Die goldenen Zeiten seien aber vorbei, sagte Pechmann. Die öffentliche Apotheke habe keine Monopolstellung mehr. Arzneimittel der Selbstmedikation seien zwar immer noch apothekenpflichtig. Mit den ausländischen Versandapotheken gebe es aber mittlerweile einen ernstzunehmenden Wettbewerber, sagte Pechmann.

Der Versandhandel mache den Apotheken im OTC-Geschäft von Jahr zu Jahr mehr Konkurrenz. Knapp ein Viertel der 6,5 Milliarden Euro, die in den vergangenen 12 Monaten für Arzneimittel zur Selbstmedikation ausgegeben wurden, wanderten in die Kassen der Versandapotheken. Vor allem teure Medikamente werden in der Online-Apotheke gekauft.

 

Der Markt wächst

 

Dennoch steht es um den OTC-Markt derzeit insgesamt nicht schlecht. Erstmals seit einiger Zeit wächst der Markt laut Pechmann wieder. Erheblich dazu beigetragen habe die starke Grippe- und Erkältungswelle in diesem Frühjahr, sagte er. Da Erkältungsprodukte in der Regel bei akuten Beschwerden gekauft werden, profitierten die stationären Apotheken von dieser Entwicklung ganz besonders. In den Versandapotheken bestellen Kunden vor allem ihren planbaren Bedarf.

 

Neben der generellen Erholung des OTC-Markts sieht Pechmann weitere Trends, die dem OTC-Geschäft der Apotheken helfen. So sei die Empfehlung des Apothekers für den Kunden weiterhin ein wichtiger Impuls, ein OTC-Arzneimittel zu kaufen. Knapp jeder fünfte OTC-Kauf in der Apotheke gehe maßgeblich auf die Empfehlung des Apothekers oder der PTA zurück.

 

Bemerkenswert ist dabei für Pechmann, dass die Bedeutung der Apothekerempfehlungen in den vergangenen Jahren nach einer kontinuierlichen Abwärtsbewegung wieder ansteigt. Der Apotheker hat damit seine Spitzenstellung in der Selbstmedikation gefestigt, Empfehlungen eines Arztes spielen nur bei 14 Prozent der Käufe eine Rolle.

 

Noch wichtiger für eine Kaufentscheidung sei allerdings die Zufriedenheit mit einem bereits bekannten Präparat. Bei jedem zweiten Kauf spiele sie eine Rolle, sagte Pechmann. Mittlerweile hat auch der Preis eine größere Bedeutung. Für immerhin 6 Prozent der Kunden sei dies ein wichtiges Kriterium.

 

Auch von den Senioren gingen aktuell wieder positive Impulse aus. Wohl auch aufgrund des geringen Anstiegs der Renten seien Menschen über 70 Jahre in den vergangenen Jahren sehr zurückhaltend beim Kauf von Arzneimitteln gewesen. Jetzt sei eine »Rückkehr der alten Arbeiterschicht« festzustellen.

 

Die Senioren hätten wieder mehr Vertrauen in ihre wirtschaftliche Lage, weil für dieses Jahr eine deutlichere Rentensteigerung anstehe, so Pechmann. Deshalb seien sie auch eher bereit, Geld für Arzneimittel auszugeben. Da Senioren mehr als 30 Prozent der OTC-Packungen kaufen, habe diese Entwicklung – wenn sie anhält – große Bedeutung für die Apotheken und könnte dazu beitragen, dass das OTC-Geschäft noch eine Weile auf Wachstumskurs bleibt.

 

Zwei Vertriebskanäle

 

Der Wettbewerb mit den Versandapotheken wird den öffentlichen Apotheken auch in den kommenden Jahren nicht erspart bleiben. Viele Menschen nutzen beide Vertriebskanäle. Nur etwa die Hälfte der Apothekenkunden kauft immer in der stationären Apotheke, die andere Hälfte kauft mal beim Versandhandel und mal in der Apotheke vor Ort.

 

Das gilt auch für Senioren. Mehr als jeder fünfte Apothekenkunde über 70  Jahre kauft Arzneimittel online. Beruhigend für die Apotheken ist die geringe Zahl von Menschen, die Arzneimittel ausschließlich im Versandhandel kaufen. Nur 2,1 Prozent der Verbraucher bestellen demnach ihre Medikamente nur bei Versendern. /

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