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Aktionsbündnis Patientensicherheit

Rezept-Initiative prämiert

10.05.2017  09:48 Uhr

Von Ev Tebroke, Berlin / Korrekt ausgestellte Rezepte sind für eine problemlose Versorgung der Patienten zentral. Besonders an der Schnittstelle zwischen Klinikambulanz und öffentlicher Apotheke können formal falsch ausgestellte Rezepte zu Zeitverzögerungen und Medikationsfehlern führen. Eine Initiative der Uni-Klinik Heidelberg schafft Abhilfe.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) hat die Initiative mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit 2017 ausgezeichnet. Das gab das Bündnis vergangene Woche in Berlin bekannt. Demnach hilft das Projekt mittels einer zentralen Koordinationsstelle sowie dem Einsatz einer elektronischen Rezeptschreibesoftware, Formfehlern bei der Rezeptausstellung vorzubeugen.

 

Keine Missverständnisse

 

In den Ambulanzen der Uni-Klinik Heidelberg werden nach Angaben von APS jährlich rund 250 000 Rezepte ausgestellt. »Eine formal korrekte Ausstellung dieser Rezepte ist essenziell, damit die Weiterversorgung der Patienten ohne Zeitprobleme und vor allem ohne Missverständnisse erfolgt, aus denen sonst Medikationsfehler resultieren können«, betonte Hanna Seidling, Leiterin der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie an der Uni-Klinik. Die Klärung missverständlicher, da nicht korrekt ausgestellter Rezepte verursacht erheblichen Aufwand. Eine Studie aus Baden-Württemberg hatte 2014 ergeben, dass Apotheker dafür im Schnitt 6 bis 9 Minuten brauchen. Im Einzelfall habe die Klärung von Fragen auch schon bis zu vier Tage gedauert, so Seidling.

 

Um die formale Qualität zu verbessern, hat das Klinikum vor fünf Jahren eine Initiative ins Leben gerufen. Im Zentrum stand dabei die Einführung eines Rezeptmonitors – also einer zentralen Koordinationsstelle, erklärte Seidling. Auch wurden Einrichtungen, die die Umsetzung der Initiative unterstützen können, wie etwa das Zentrum für Informations- und Medizintechnik oder die Klinikapotheke mit den Entwicklern der Rezeptschreibesoftware vernetzt.

 

Der Rezeptmonitor stelle zudem die kontinuierliche Vor-Ort-Betreuung und Schulungen in den einzelnen Ambulanzen sicher. Durch diese Maßnahmen hat sich laut Seidling die formale Qualität der Rezepte erheblich erhöht.

 

Waren laut Untersuchungen der Initiative 2012 noch bei 23 Prozent der ausgestellten Rezepte Rückfragen von Apotheken in den zuständigen Ambulanzen nötig, so hat sich die Zahl 2015 auf rund 4 Prozent reduziert. Und musste die Klinik 2012 noch jedes 75. Rezept aufgrund von Formfehlern neu ausstellen, so war es 2015 nur noch jedes 300. Rezept.

 

Auch wird die elektronische Rezeptschreibesoftware, die viele Anforderungen automatisiert erfüllen kann, immer häufiger genutzt. Wurden 2012 noch 35 Prozent der in der Uni-Klinik ausgestellten Rezepte elektronisch erstellt, waren es 2015 bereits 82 Prozent.

 

Die Initiative könne auch mit Blick auf das im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verankerten Entlassmanagement Vorbildcharakter haben, betonte die Vorsitzende des APS, Hedwig François-Kettner. Im Laufe des Jahres sollen alle Kliniken bundesweit ihren Patienten beim Übergang in die ambulante Versorgung Rezepte ausstellen dürfen. /

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