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PHARM-CHF-Studie

Teilnehmen lohnt sich

07.05.2013
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PZ / Die sogenannte PHARM-CHF-Studie, ein apotheken-­basiertes interdisziplinäres Programm für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, startete vergangenes Jahr. Apotheker Manfred Saar, Inhaber der Allee-Apotheke in Heusweiler, erklärt gegenüber der PZ, warum für ihn die Teilnahme an diesem bislang größten wissenschaft­lichen Kooperationsprojekt zwischen Ärzten und Apothekern wichtig ist.

PZ: Welche Vorteile sehen Sie für die Studienpatienten?

 

Saar: Da es sich bei ihnen um kranke, oft multimorbide ältere Menschen handelt, profitieren diese sehr von der pharmazeutischen Betreuung. Nach dem Medikationsreview zu Beginn erhalten unsere Patienten einen aktuellen Medika­tionsplan, der von uns fortlaufend aktualisiert wird. Das Stellen der gesamten Medikation zusammen mit dem Medikationsplan verhindert Einnahmefehler und erleichtert dem Patienten die Arzneimitteleinnahme. Durch den wöchentlichen Kontakt und gezielte Fragen können wir Probleme bei der Arzneimitteltherapie und erste Anzeichen einer Dekompensation der Herzinsuffizienz früh erkennen. Wenn notwendig, informieren wir sofort den behandelnden Arzt. Krankenhausaufenthalte können wir so hoffentlich vermeiden.

 

PZ: Wie groß war für Sie im Vorfeld der Aufwand?

Saar: Den Aufwand habe ich als überschaubar empfunden. Die ganztägige Schulungsveranstaltung im Vorfeld hat uns gut auf die Umsetzung in der Apotheke vorbereitet. Bei der Schulung werden der Ablauf und die Dokumentation praxisnah an Fallbeispielen vorgestellt. Ebenso wird das Wissen über Herzinsuffizienz sehr gründlich aufgefrischt, um die Patienten auch optimal beraten und versorgen zu können. Danach waren nur einige organisatorische Vorbereitungen, wie die Information des gesamten Apothekenteams und die Festlegung von Verantwortlichkeiten, notwendig.

 

PZ: Wie ist es zeitlich und organisatorisch möglich, die Studienaufgaben in den Apothekenalltag zu integrieren?

 

Saar: Mein Team steht geschlossen hinter diesem Projekt. Für den Medikationsreview und die wöchentlichen Patientenbesuche vergeben wir feste Termine. Schon nach wenigen Wochen liefen sämtliche Aufgaben sehr routiniert ab. Auch die Dokumentation ist nicht sehr zeitaufwendig. Die Aufwandsentschädigung ist eine schöne Wertschätzung für unsere Arbeit.

 

PZ: Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ist eine gute Kommunikation zwischen allen Kooperationspartnern unerlässlich. Wie wird dies gewährleistet?

 

Saar: Wir pflegen online auf der Web­site der Studie für jeden Studienpatienten den individuellen Medikationsplan. Dieser ist vom Studienarzt freigegeben. Der Medikationsplan ist auch für den Arzt von großem Vorteil, da so immer die aktuelle Medikation des Patienten schnell und übersichtlich abrufbar ist. Fragen zu arzneimittelbezogenen Prob­lemen klären wir schnell und unkompliziert telefonisch ab. Als kooperierende Studienapotheke haben wir einen sehr schnellen Draht zur Arztpraxis.

 

PZ: Was versprechen Sie sich von der Studie?

 

Saar: Ich hoffe sehr, dass die Apothekerschaft ihre heilberufliche Kompetenz und die Gewährleistung von Arzneimitteltherapiesicherheit mit all ihren Facetten durch den intensiven Patientenkontakt einmal mehr unter Beweis stellen kann. Und dies untermauert durch eine randomisierte, auch international beachtete Studie, kann für uns nur von Vorteil sein. Im Sinne der Patienten wollen wir dies im Rahmen dieses größten wissenschaftlichen Projekts zwischen Ärzten und Apothekern in Deutschland voran­treiben. /

Apotheken als Teilnehmer gesucht

Die PHARM-CHF-Studie (Pharmacy-based Interdisciplinary Program for Patients with Chronic Heart Failure: A Randomized Controlled Trial) startete im Oktober 2012. Ihr Ziel ist es, zu untersuchen, ob ein kontinuierliches, interdisziplinäres Programm Krankenhausaufenthalte und Sterblichkeit bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz reduzieren kann. Dabei fokussiert das Programm auf die Verbesserung der Einnahmetreue und die Verminderung von Arzneimittelrisiken. Insgesamt sollen 2060 Patienten eingeschlossen werden, davon die Hälfte in die Interventionsgruppe. Kooperierende Apotheker und Ärzte betreuen die Patienten der Interventionsgruppe gemeinsam über mindestens zwölf Monate. In diesem Zeitraum finden in festgelegten Abständen für alle Patienten (Telefon-)Visiten mit dem behandelnden Studienarzt statt. Die Intervention für Patienten der Inter­ventionsgruppe in der Apotheke gliedert sich in zwei Teile: Zu Beginn erfolgt in einem Medikationsreview die Erfassung der gesamten Medikation des Patienten, die Analyse auf arzneimittelbezogene Probleme und die gemeinsame Konsolidierung des Medikationsplans mit der Arztpraxis. Die regelmäßigen Apothekenbesuche bilden den zweiten Teil der Intervention, bei dem die Patienten mit individuell gestellter Medikation aus der Apotheke versorgt werden.

 

Weitere Informationen erhalten Inte­ressierte unter www.pharm-chf.de. Apotheken, die an der PHARM-CHF Studie teilnehmen möchten, können dort im Bereich für Apotheker das Interesseformular ausfüllen. Auskunft erteilen zudem Professor Dr. Martin Schulz, ABDA, und Professor Dr. Ulrich Laufs, Universitätsklinik Homburg. E-Mail: info(at)pharm-chf.de und Telefon: 06841 162-3412.

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