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Computergenerierte Tipps bei Grippepandemie

02.05.2006
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Computergenerierte Tipps bei Grippepandemie

von Conny Becker, Berlin

 

Mit einer schnellen Behandlung und Isolierung nicht nur Erkrankter, sondern auch ihrer Familien könnten die Krankenzahlen bei einer möglichen Grippepandemie halbiert werden. Das ist das Ergebnis einer Computersimulation eines Ausbruchs in Großbritannien und den USA, die online in "Nature" veröffentlicht wurde.

 

Das Team um Neil Ferguson vom Londoner Imperial College wertete den Einfluss verschiedener Maßnahmen zur Eingrenzung der Pandemie aus. Demnach könnte die Rate der Erkrankungen auf die Hälfte reduziert werden, sofern antivirale Medikamente nicht nur zur Therapie bereits Erkrankter, sondern auch zur Prophylaxe ihrer Mitbewohner eingesetzt würden (inklusive Quarantäne) und zudem von einem Ausbruch betroffene Schulen rasch geschlossen würden. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Vorräte von Neuraminidasehemmern für die Hälfte der Bevölkerung ausreichen. Das ist jedoch etwa das Doppelte von dem, was die meisten Länder an Vorrat planen. In Deutschland etwa sollen die Länder laut Pandemieplan antivirale Substanzen für 20 Prozent der Bevölkerung einlagern.

 

Abgesehen von einer noch weitergehenden medikamentösen Prophylaxe können nach Ansicht der Forscher auch gezielte Impfungen von Kindern mit einer Studienvakzine die Zahl der Erkrankungen weiter senken, auch wenn diese nur eine geringe Effektivität aufweise. Dagegen ist es den Modellrechnungen zufolge unwahrscheinlich, dass Grenz- und Reisebeschränkungen die Ausbreitung der Grippe um mehr als zwei bis drei Wochen verzögern können. Dazu müssten sie zu mehr als 99 Prozent zuverlässig sein.

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