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2,4-Dinitrophenol

Altes Schlankheitsmittel in neuem Gewand

21.04.2015
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Von Annette Mende / Mit einer speziellen Galenik ist es Wissenschaftlern der US-amerikanischen Yale-Universität gelungen, dem Schlankheitsmittel 2,4-Di­nitrophenol einen Großteil seiner Toxizität zu nehmen.

Die von Dr. Rachel Perry und Kollegen entwickelte orale Formulierung zur kontrollierten Freisetzung vergrößerte das therapeutische Fenster des Wirkstoffs im Vergleich zu einer nicht retardierten Darreichungsform um mehr als das 500-Fache. So könnte man die positiven Effekte von 2,4-Dini­trophenol auf den Stoffwechsel eventuell nutzbar machen, ohne unerwünschte Wirkungen wie Hyperthermie, Tachykardie, Schweißausbrüche und gesteigerte Atemfrequenz zu riskieren. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Science« (DOI: 10.1126/ science.aaa0672).

Das ursprünglich in der Farbenindustrie verwendete 2,4-Dinitrophenol (DNP) ist ein sogenannter Entkoppler der Atmungskette. Es verhindert die Bildung des Energieträgers Adenosintriphosphat in Mitochondrien. Die im Zuge der Atmungskette gebildete Energie wird stattdessen als Wärme frei. Diese Wirkung prädestiniert die Substanz als Schlankheitsmittel, allerdings gelang es bislang noch nicht, ihre erhebliche Toxizität in den Griff zu bekommen. Nach der Einnahme von illegal vertriebenen DNP-Produkten kam es sogar zu mehreren Todesfällen.

 

In Tierversuchen fanden die Forscher um Perry zwei Dinge heraus. Erstens: Die Toxizität von DNP ist umso größer, je höher der Wirkstoff-Peak nach der Einnahme ausfällt. Zweitens: Die Wirkung auf den Stoffwechsel hängt von der Area under the Curve der Plasmakonzentration ab. Sie entwickelten daraufhin eine DNP-Retardformulierung mit in Bezug auf diese beiden Parameter optimierter Pharmako­kinetik.

 

Im Tierversuch erfolgreich

 

Bei fettreich ernährten Ratten besserte dieses Präparat Hypertriglycerid­ämie, Insulinresistenz, Fettleber und Diabetes. Interessanterweise war die Wirkung auf die Leber beschränkt; Zellen des Gehirns, der Nieren, des Herzens oder der Skelettmuskulatur zeigten keine mitochondriale Entkopplung. Es gab keine Anzeichen einer systemischen Toxizität. Sollten Studien am Menschen diese Ergebnisse bestätigen, könnte die retardierte DNP-Formulierung einen neuen Therapieansatz zur Behandlung von Patienten mit metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes und nicht alkoholischer Fettleber darstellen, hoffen die Autoren. /

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