Pharmazeutische Zeitung online
PZ-Management-Kongress

Optimal im Team arbeiten

23.04.2014  10:37 Uhr

Von Daniela Biermann und Christina Hohmann-Jeddi, Palma de Mallorca / Wie finde ich die besten Mitarbeiter für meine Apotheke? Wie kommuniziere ich mit meinem Team? Wie kann ich Angestellten kündigen, wenn die Zusammenarbeit nicht klappt? Kommunikation und Kooperation waren ein großes Thema beim 16. PZ-Management-Kongress auf Mallorca.

Die richtigen Mitarbeiter zu finden, ist auch für Apothekeninhaber essenziell. Tipps für die Gesprächsführung im Vorstellungsgespräch gab Katrin von Papp-Riethmüller von der Osianderschen Buchhandlung. Geschlossene und hypothetische Fragen seien hier kontraproduktiv, sagte sie. Um hinter die Fassade eines Bewerbers schauen zu können, sollte man sich erlebte Situationen schildern lassen. »Man muss den Bewerber erzählen lassen«, so von Papp-Riethmüller.

 

Konkret nachfragen

 

Gerade mit Blick auf die sogenannten Soft Skills sei es nötig, nach bestimmten Erfahrungen zu fragen, erklärte die Buchhändlerin am Beispiel der Belastbarkeit. Statt einfach zu fragen »Wie belastbar sind Sie?«, sollte man sich lieber nach der letzten Situation erkundigen, in der ein Bewerber die Grenzen seiner Belastbarkeit erreicht habe.

Informationen zur Persönlichkeit des Bewerbers ließen sich auch mit der klassischen Frage nach Stärken und Schwächen erhalten, berichtete von Papp-Riethmüller. Es sei interessant, wie viele Bewerber auf diese Frage überrascht reagierten. »Über Stärken reden die meisten gerne«, so die Referentin. Aber zu den Schwächen fielen die Antworten dünner aus. Hier könne man nachhaken und fragen, welche Schwächen der momentane Arbeitgeber eventuell aufführen würde. Häufig würden auch klassische Schwächen wie Ehrgeiz genannt, die eigentlich Stärken seien. Diese könne man hinterfragen, indem man sich schildern ließe, in welcher Situation sich die Eigenschaft das letzte Mal als hinderlich erwiesen habe, so von Papp-Riehtmüller.

Gute Mitarbeitergespräche zu führen, ist kein Zufall, sondern bedarf einiger Überlegung und psychologischer Kenntnisse. Hilfreich kann hier das Modell der Transaktionsanalyse sein, das Günther Mohr vom Institut für Coaching, Training und Consulting vorstellte. Demnach hat die Persönlichkeit jedes Menschen drei verschiedene Ebenen oder Ich-Zustände: das früh geprägte Kind-Ich, das strenge oder fürsorgliche Eltern-Ich und das vernünftige Erwachsenen-Ich.

 

Rationale Gespräche

 

Am besten gelinge die Kommunikation, wenn sich zwei Menschen auf der rationalen Erwachsenen-Ebene austauschten, so Mohr. Irritationen entstünden, wenn der Gesprächspartner aus einem anderen Ich-Zustand heraus antwortet als dem adressierten. So spreche ein Chef, der seinen Mitarbeiter nach dessen Urlaubsplänen frage, das Erwachsenen-Ich an. Wenn beim Angestellten jedoch Emotionen angesprochen würden und dieser aus dem Kind-Ich heraus patzig antworte: »Das geht Sie gar nichts an«, sei dies eine nicht komplementäre Transaktion, erklärte Mohr.

 

Echte Teams retten Leben

 

Die Arbeit in Teams hat eine Reihe von positiven Effekten, wenn es sich um echte Teams und nicht um Pseudo­teams handelt, sagte Professor Thomas Rigotti von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Um echte Teams handele es sich, wenn Aufgaben nur in Kooperation und nicht allein gelöst würden könnten, wenn gemeinsame Ziele regelmäßig besprochen würden und zu jedem Zeitpunkt klar sei, wer zum Team gehört. Wenn diese Kriterien erfüllt seien, fördere die Teamarbeit die Motivation der Mitglieder und die Effizienz der Gruppe.

 

Dies zeigen auch Untersuchungen einer britischen Arbeitsgruppe um Michael West, die Rigotti vorstellte. Befragungen von Krankenhausmitarbeitern ergaben, dass nur etwa 40 bis 50 Prozent in echten Teams mit den genannten Kriterien arbeiteten. Dies hatte positive Effekte auf die Gesundheit der Mitarbeiter, außerdem verringerten sich die Fehlzeiten und Mobbing trat seltener auf. »Aber auch für die Patienten war die Arbeit eines echten Teams positiv«, so Rigotti. Bei einer 5-prozentigen Zunahme der Anzahl von Mitarbeitern, die in echten Teams arbeiten, sank die Mortalität der Patienten laut Studie um 3,3 Prozent. Das könnten bis zu 40 Patienten pro Jahr in jedem Krankenhaus sein. »Echte Teams retten Leben«, so Rigottis Fazit.

 

Wasserdichte Verträge

 

Manchmal klappt es aber trotz aller Bemühungen nicht zwischen Apothekenleiter und Angestelltem. Arbeitgeber sollten die Arbeitsverträge ihrer Mitarbeiter mit äußerster Sorgfalt erstellen. Dies riet Rechtsanwalt Martin Hassel den Teilnehmern des Managementkongresses. Apothekenleiter behandelten Arbeitsverträge häufig zu stiefmütterlich und wüssten zu wenig über deren Inhalte, zum Beispiel ob und inwieweit der Tarifvertrag anwendbar ist.

Bindend sei der Tarifvertrag, wenn beide Parteien organisiert sind, der Apothekenleiter im Arbeitgeberverband Deutscher Apotheker (ADA) und der Angestellte in der Gewerkschaft Adexa. Ebenso gilt der Tarifvertrag, wenn er im Arbeitsvertrag als allgemein verbindlich erklärt wird. Außerdem kann man in einzelnen Punkten auf den Tarifvertrag Bezug nehmen, so etwa beim Urlaubsanspruch. »Es muss klar geregelt werden, ob der Tarifvertrag anzuwenden ist oder nicht«, sagte Hassel. Bei Unklarheiten könne ansonsten im Streitfall ein Arbeitsgericht darüber befinden – oft zuungunsten des Arbeitgebers.

 

Mögliche Sanktionen

 

Der Arbeitsrechtler informierte auch darüber, was ein Apothekenleiter im Fall eines Fehlverhaltens der Mitarbeiter tun kann. So können zum Beispiel Arbeitsverweigerung, Fehler bei der Arbeit, geringe Arbeitsleistung oder Mobbing im Team zu Sanktionen führen. Rechtliche Reaktionen sind hier unter anderem Ermahnung, Abmahnung, Kündigung oder Schadensersatzforderung.

 

Bei einer Ermahnung weist der Chef seinen Mitarbeiter mündlich oder schriftlich auf sein Fehlverhalten hin. Hassel riet, eine entsprechende Notiz in die Personalakte zu legen. Das habe eine deutliche Wirkung auf den Arbeitnehmer und sei auch für einen Arbeitsrichter im Falle eines Kündigungsverfahrens interessant.

Finanzmärkte: Geld anlegen in schwierigen Zeiten

Auch wenn sich viele Länder derzeit von der Finanzkrise erholen und Deutschland vergleichsweise gut dasteht – für Anleger werde es mittelfristig schwierig sein, zufriedenstellende Gewinne zu erreichen, so die Prognose von Andreas Onkelbach (Foto), Leiter des Private Bankings und Wertpapiergeschäfts der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Die Verzinsung klassischer Anlagen werde voraussichtlich unter dem Inflationswert bleiben. »Damit wird Ihr Geld vernichtet«, verdeutlichte Onkelbach die Situation. Bei der Geldanlage müsse man wie ein Arzt vorgehen: Den Finanzmarkt analysieren (Diagnose), sein Portfolio konstruieren (Behandlungsplan), investieren (Therapie) und kontrollieren (Nachuntersuchung).

 

Einzig der Aktienmarkt boomt. Hier müssten die deutschen Anleger ihre Vorbehalte überwinden, dann könnten sie mit Zeit und einem soliden Fachwissen oder einer vertrauensvollen Anlageberatung Dividenden deutlich über dem derzeitigen Zinsniveau erzielen. Anleihen böten dagegen derzeit weiterhin wenig Rendite und auch das Potenzial von Rohstoffen wie Gold werde überschätzt. Wichtig sei in jedem Fall die Risikostreuung über verschiedene Anlageklassen und Länder.

 

Was das Wirtschaftswachstum angeht, habe die Eurozone endlich einen Wendepunkt erreicht. Alle Länder werden voraussichtlich die Rezession überwinden, Griechenland allerdings mit Verspätung. Auch die USA seien auf dem Weg zurück in die Normalität. Die Apobank geht mit 65-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Geldpolitik der Staatsbanken locker bleibt, die Krise sich weiter entspannt und die Inflation gering bleibt. Mit 25-prozentiger Wahrscheinlichkeit könnte die Eurozone stagnieren, wodurch die Europä­ische Zentralbank (EZB) die Geldpolitik noch weiter lockern müsste und Bundesanleihen stärker nachgefragt würden. Die dritte Möglichkeit ist, dass es einen europaweiten Wachstumsschub gibt, die EZB die Zinsen erhöht und Inflationssorgen aufkommen.

Die nächste Eskalationsstufe sei eine Abmahnung, die Voraussetzung für eine verhaltensbedingte Kündigung ist. Sie wird in einem späteren Kündigungsverfahren gerichtlich geprüft. Mitarbeiter können sich eine Abmahnung aus den Akten entfernen oder eine Gegendarstellung dazulegen lassen. Eine Abmahnung sollte das Fehlverhalten genau aufführen, mit Angabe von Zeit, Datum, Ort und Zeugen. Zudem sollte sie arbeitsrechtliche Konsequenzen im Fall einer Wiederholung ankündigen.

 

Für eine Kündigung muss das Fehlverhalten einschlägig sein, das bedeutet, wer beispielsweise eine Abmahnung wegen Zuspätkommens hat, kann nicht wegen einer erstmaligen Fehlabgabe gekündigt werden. Prinzipiell reicht bei einer verhaltensbedingten Kündigung eine zuvor erfolgte Abmahnung aus, die nicht länger als zwei Jahre zurückliegen sollte. Bei langjähriger Betriebszugehörigkeit werde dies ein Richter eventuell anders sehen und prüfen, ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist, gab Hassel zu bedenken.

 

Kündigung per Bote

 

Bei einer Kündigung sind auch verschiedene formale Regelungen zu beachten. Sie bedarf der Schriftform und muss dem Mitarbeiter zugehen. Von Einschreiben rät Hassel in diesem Fall ab. Sein Tipp: Ein Bote, der dies gerichtlich bezeugen kann, wirft die Kündigung in den Hausbriefkasten des Arbeitnehmers. Sinnvoll sei es, den gekündigten Mitarbeiter für die verbleibende Zeit freizustellen, da sonst die Stimmung im Betrieb leiden könne, sagte Hassel. /

Notdienstpauschale richtig verbuchen

Im Jahr 2014 werden die Apotheken in Deutschland vier Auszahlungen aus dem Nacht- und Notdienstfonds erhalten. Pro Notdienst sei mit 230 Euro Pauschale zu rechnen, sagte Frank Diener (Foto) von der Treuhand Hannover. Dabei zählen nur Volldienste von 20 bis 6 Uhr, Teilzeitdienste werden nicht berücksichtigt.

 

Bei der Notdienstpauschale ist eine korrekte Verbuchung wichtig, sagte Diener. Finanziert wird der Notdienstfonds über eine Anhebung des Rx-Fixhonorars von 8,35 Euro auf 8,51 Euro. Diese 16 Cent seien Teil des Umsatzes und müssten korrekt aufgeführt werden, sagte Diener. Der Apotheker muss das Geld allerdings an den Fonds weiterreichen. Dies müsse als Betriebsausgabe ausgewiesen werden. Die Pauschale, die Apotheker schließlich für jeden geleisteten Notdienst erhalten, gilt als sogenannter echter Zuschuss, auf den keine Umsatzsteuer anfällt. Auch dies müsse in der betriebswirtschaftlichen Analyse korrekt dargestellt werden, so Diener.

 

Die Notdienstpauschale ist neben der Anhebung des Grundfixums, der Senkung des Apothekenabschlags und der Entwicklung der Packungsmengen ein Grund, warum 2013 für die Apothekenbranche ein wirtschaftlich positives Jahr war. Dieser Trend werde sich auch in diesem Jahr fortsetzen: Diener geht davon aus, dass sich der Rezeptumsatz um 2 Prozent erhöhen und der OTC-Umsatz auf dem Vorjahresniveau halten werde. Doch nicht alle Apotheken profitieren von dem positiven Trend. Während im Jahr 2013 etwa 76 Prozent der Apotheken ein Umsatzplus verzeichneten, ging bei 24 Prozent der Umsatz trotz der günstigen Rahmenbedingungen zurück. »Der Markt ist gespreizt«, sagte Diener.

Mehr von Avoxa