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Palliativversorgung

Empfehlungen für das Notfalldepot

16.04.2013
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Von Claudia Wegener / In der Palliativversorgung von Schwerstkranken werden häufig spezielle Arzneimittel oder Zubereitungen benötigt, die sonst nur selten nachgefragt werden. Apotheken sollten ihr Notfalldepot an diese besondere Situation anpassen. Apotheker und Ärzte aus Nordhessen haben gemeinsam für ihren Landkreis Empfehlungen erarbeitet.

Die Palliativversorgung ist ein Paradebeispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Ärzte, Pfleger, Psychologen, Seelsorger, Sozialarbeiter und Ehrenamtliche arbeiten gemeinsam an dem Ziel, Patienten mehr Lebensqualität trotz unheilbarer Krankheit zu geben. Oft steht die Linderung von Symptomen wie Schmerz, Luftnot, Übelkeit und Erbrechen im Vordergrund. Nicht selten werden diese Symptome durch Nebenwirkungen von Arzneimitteln verursacht. Hier kann der Apotheker als Arzneimittelspezialist Probleme erkennen und Lösungen anbieten.

Neben der Versorgung in verschiedenen stationären Einrichtungen besteht seit 2007 unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine häusliche Palliativversorgung (SAPV). Die SAPV-Teams haben rund um die Uhr Einsatzbereitschaft. Sie machen Hausbesuche, begleiten Patienten und Angehörige und versorgen die Patienten mit Arzneimitteln. Im Optimalfall werden vorausschauend alle Arzneimittel verordnet, die in Krisensituationen eingesetzt werden. Trotzdem kann der Krankheitsverlauf es notwendig machen, kurzfristig weitere Arzneimittel, gegebenenfalls auch Betäubungsmittel (BtM), zu verordnen. Diese müssen dann in der dienstbereiten Apotheke besorgt werden – nicht selten kommt es dabei zu Versorgungslücken.

 

Um den Palliativmedizinern und den SAPV-Teams die Arbeit zu erleichtern und die Nutzung des Ausnahme-Dispensierrechts möglichst gering zu halten, muss in Notfallsituationen eine schnelle Versorgung mit BtM und anderen Notfallarzneimitteln gewährleistet werden.

 

Hier bietet die neue Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) neue Möglichkeiten. Das umstrukturierte Notfalldepot und hier speziell die Vorgaben zur Bevorratung mit BtM war Anlass, diejenigen zum Gespräch zu bitten, die das Depot mit größter Wahrscheinlichkeit auch nutzen werden: die palliativmedizinisch tätigen Ärzte. Nach Vor­bereitungen auf ärztlicher und apothekerlicher Seite trafen sich Vertreterinnen der öffentlichen, der krankenhausversorgenden und der Krankenhaus-Apotheken mit ärztlichen Vertretern aus allen nordhessischen Landkreisen. In einer intensiven Diskussion wurde eine Empfehlung zur Bestückung des Notfalldepots erarbeitet. Dabei wurden sowohl die medizinischen Aspekte der Ärzte als auch die wirtschaftlichen Belange der Apotheker berücksichtigt.

 

Besonders die Diskussion um eine schnell wirksame Fentanyl-Zubereitung (Nasenspray, Buccaltablette) wurde lange und ausgiebig geführt, denn hierbei handelt es sich um ein Arzneimittel, das im regulären Apotheken­betrieb eher selten benötigt wird und das deshalb mit einem hohen Lager­risiko verbunden ist. Um dieses Risiko zu minimieren, wurden Verhandlungen mit der Firma Teva aufgenommen. Als Ergebnis bietet der Hersteller Apothekern, die sich anhand der Empfehlungsliste bevorraten möchten, eine spezielle Regelung zur Minimierung des Lagerrisikos an, die auf Anforderung gern zur Verfügung gestellt wird.

 

So ist die Abstimmung zwischen Apothekern und Ärzten für alle Seiten vorteilhaft:

 

  • Patienten können in Krisensituationen gewohnt schnell und zuverlässig mit hochwirksamen Arzneimitteln versorgt werden.
  • Apotheker halten Arzneimittel vorrätig, die auch tatsächlich im Notfall angefragt werden.
  • Ärzte können mit bewährten Wirkstoffen ihre Patienten auch im Notfall umfassend und gut versorgen – sie brauchen die neue Ausnahmeregelung für SAPV nach BtMVV nicht in Anspruch nehmen.

 

Die Ärzte werden gebeten, vor der Verordnung mit der diensthabenden Apotheke telefonisch Rücksprache zu halten. Es kann dann abgestimmt werden, welche Arzneimittel vorrätig sind (Stärken, Beladung (Pflaster!), Packungsgrößen), und ob Aut-idem-Kreuze notwendig sind (zum Beispiel bei Lorazepam Expidets).

 

Im Zuge der neuen Zusammenarbeit wird das Curriculum Palliativpharmazie der Bundesapothekerkammer in Zusammenarbeit mit der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit Nordhessen an zwei Wochenenden im Herbst auch in Kassel angeboten. Anmeldungen sind möglich unter: www.apothekerkammer.de. Es soll Apotheker dazu befähigen, sich als kompetenter Partner zusammen mit Pflege, Ärzten, Sozialarbeitern, Seelsorgern und anderen an der gemeinsamen Versorgung von Palliativpatienten zu beteiligen. /

Tabelle: Empfohlene Bestückung des Notfalldepots nach § 15 ApBetrO°

Arzneistoffgruppe Wirkstoff und Stärke Darreichungsform
Opiate Morphin 10 mg 10 Ampullen*
Morphin 20 mg/ml Tropfen
Morphin, oral 10 mg 10 Beutel à 5 ml* (zum Beispiel Oramorph® 10 mg)
Morphin, oral, retardiert, 10 mg alternativ: Hydromorphon 4 mg 20 Tabletten* 20 Retardkapseln*
Morphin, oral, retardiert 30 mg Tabletten
Fentanyl Pflaster 25 µg/h 5 Stück**
Fentanyl Buccaltabletten 200 µg 4 Stück**
Fentanyl 100 µg/Dosis Nasenspray
Benzodiazepine Midazolam 5 mg 5 Ampullen
Diazepam 5 mg Rektallösung
Lorazepam 1 mg Plättchen (Expidet) 50 Stück
Neuroleptika Levomepromazin 25 mg 5 Ampullen
Haloperidol 2 mg/ml Tropfen
Corticosteroide Dexamethason 8 mg 5 Ampullen
Anticholinergika Butylscopolamin 20 mg 10 Ampullen
Antiemetika Dimenhydrinat 150 mg Suppositorien
Dimenhydrinat 50 mg Tabletten

° Konsens der nordhessischen Apotheker mit den palliativ tätigen Ärzten der Kreise Werra-Meißner, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Stadt Kassel und Landkreis Kassel. Diese Übersicht stellt eine Empfehlung zur Bevorratung dar und ist nicht verbindlich.

* Diese Darreichungsformen sind Pflicht nach ApBetrO und müssen regelhaft vorrätig gehalten werden.

** Diese Darreichungsformen sind ebenfalls Pflicht nach ApBetrO und müssen kurzfristig beschaffbar sein.

Zu einigen der genannten Arzneimittel haben Apothekenkammer und -verband Hessen im Kammerrundschreiben 4/2012 weitergehende Empfehlungen gemacht.

Mit Rückfragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an: Claudia Wegener, Fulda-Apotheke, Fulda­brück (c.wegener(at)online.de), Annette Topp, Berliner Apotheke, Kassel (topp(at)berlinerapotheke.de) oder Dr. Silke Lauterbach, Apotheke im Roten-Kreuz-Krankenhaus Kassel (apotheke(at)rkh-kassel.de).

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