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Rabattverträge

Apotheker favorisieren Garantiepreise

Datum 20.04.2010  17:22 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Während die Krankenkassen die Rabattverträge unter dem Aspekt der Kosteneinsparung positiv bewerten, sind die Apotheker schon einen Schritt weiter. Bei einer Euroforum-Tagung in München warb ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch erneut für das Garantiepreismodell.

Auch aus Sicht der Patienten sind die Rabattverträge verbesserungsfähig. Die jetzigen Verträge seien intransparent und hätten eine zu kurze Laufzeit, kritisierte Dr. Siiri Ann Doka von der BAG-Selbsthilfe. Die ständige Umstellung der Präparate schwäche die Compliance der Patienten. Grundsätzlich seien Kollektivverträge wie das Preismodell der Apotheker zu bevorzugen, da sie für die Patienten überschaubarer seien, sagte die Juristin. Doch die BAG, die über ihre Mitgliedsorganisationen etwa 1 Million chronisch kranke Menschen in Deutschland vertritt, wünsche sich mehr Mitspracherecht und Einblick in die Verhandlungen.

Mangelnde Preistransparenz, Einschränkung der ärztlichen Therapiefreiheit und der Kompeten­zen der Apotheker, Belastung der Patienten durch häufige Präparatum­stellungen und vermehrte Neben­wirkungen: wichtige Punkte, die Resch an den Rabattverträgen kritisierte. Zudem fördere die Konzentration auf wenige Anbieter die Oligopolbildung im Pharmamarkt. Und: »Geheim gehaltene Rabatte konterkarieren die Verhandlungen über Festbeträge.« Dagegen setze der Deutsche Apothekerverband (DAV) das Ziel- beziehungsweise Garantiepreismodell. Es garantiere den Krankenkassen weiterhin fixe Arzneimittelausgaben, funktioniere aber bundesweit und krankenkassenübergreifend, da es zwischen DAV und GKV-Spitzenverband abgeschlossen wird.

 

Zur Erinnerung: In diesem Modell wird ein Preis für Wirkstoffe festgelegt, der laut Resch unterhalb der Festbetragslinie liegt und von den Krankenkassen erstattet wird. Innerhalb des Zielpreiskorridors könnten die Apotheker das für den Patienten am besten geeignete Arzneimittel auswählen. Da das Garantiepreismodell auf durchschnittlich feste Arzneimittelpreise setzt, kann der Apotheker im Einzelfall auch ein teureres Medikament abgeben.

 

Bei diesem Modell übernähmen die Apotheker die wirtschaftliche Verantwortung für die Garantiepreise, betonte Resch. Darüber habe der DAV noch im letzten Jahr erfolgreich mit der GEK verhandelt. Doch nach der Fusion mit der Barmer seien diese Pläne vom Tisch. Die Apotheker halten an ihrem Modell fest: Es sei mittelstands-, apotheken- und kundenfreundlich. Zudem seien mittelfristig erhebliche Einsparungen für die Kassen zu erwarten, da die Hersteller bei der Preisgestaltung versuchen würden, sowohl unter den Festbetrag als auch unter den Garantiepreis zu gehen. / 

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