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Warenlager

Verlässlichkeit zählt

12.04.2017
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Mit OTC-Arzneimitteln und Produkten aus der Freiwahl lässt sich ordentlich Geld verdienen, weil die Apotheke die Preise selbst bestimmen kann. Margen von durchschnittlich 40 Prozent in der Freiwahl und 30 Prozent bei OTC-Arzneimitteln machen das Segment attraktiv. »Diese Einschätzung ist zwar richtig, tatsächlich aber nur die halbe Wahrheit«, sagte Carlos Thees (Foto), Fachbereichsleiter Vertrieb und Marketing beim Rezeptabrechnungsunternehmen VSA, beim PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca.

 

Insgesamt erziele die Apotheke zwei Drittel ihres Rohgewinns mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, obwohl in diesem Segment die Marge nur bei durchschnittlich 17 Prozent liege. Ein Blick auf den Stücknutzen mache deutlich, womit die Apotheke tatsächlich verdient. Thees: »Ein Produkt aus der Freiwahl hat einen durchschnitt­lichen Stücknutzen von 1 Euro, beim OTC-Arzneimittel liegt dieser bei 2,50 Euro und bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sind es 10 Euro.«

Apotheker sollten sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass hochpreisige Arzneimittel wie Sovaldi® oder Harvoni® die durchschnittliche Marge der Rx-Arzneimittel nach unten drückten, denn diese hätten gleichzeitig einen hohen Stücknutzen. Das gelte allerdings nur dann, wenn Retaxationen bei diesen Medikamenten vermieden würden.

 

Thees empfiehlt Apothekern, ein ausreichend großes Warenlager anzulegen. Das gelte vor allem für preiswerte Medikamente, aber auch für teurere – natürlich mit einer geringeren Lagertiefe. Thees: »Wenn ein Patient mit einem Rezept in die Apotheke kommt, dann verlässt er die Apotheke in fast 100 Prozent der Fälle mit dem gewünschten Präparat.« Wenn das Arzneimittel nicht vorrätig sei, dann habe es die Apotheke nicht mehr selbst in der Hand, ob der Patient das Arzneimittel bekomme.

 

Sinnvoll seien auch teure Medikamente im Warenlager. Wenn eine Apotheke innerhalb von sechs Monaten einen Hochpreiser abgebe, dann bestehe eine Chance von 50 Prozent, dass sie in den nächsten sechs Monaten erneut einen Hochpreiser abgebe. »Verfügbarkeit und Sicherheit sind für die Patienten entscheidende Kriterien«, so Thees. Patienten wollten verlässlich wissen, dass sie ihr benötigtes Medikament auch tatsächlich bekommen. Für Thees ist beim Warenlager die Kapitalbindung nicht das entscheidende Problem, wichtiger sei ausreichend Platz im Lager, damit die Patienten zuverlässig versorgt werden können.

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