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Empfehlungen

Klug entscheiden in der Lungenheilkunde

22.03.2017  09:59 Uhr

Von Annette Mende / Lungenfunktionstests sollen bei Rauchern häufiger gemacht und Antibiotika bei Bronchitis seltener verordnet werden. Diese und weitere Empfehlungen macht die Deutsche ­Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

Die DGP hat nun einige Positiv- und Negativempfehlungen im Rahmen der Initiative »Klug entscheiden« ausgesprochen. Demnach soll jedem Raucher eine Messung der Lungenfunktion angeboten werden, um frühe Stadien der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu erkennen. »Die wenigsten Ärzte ordnen einen Lungenfunktionstest an, solange ihre Patienten keine Beschwerden haben«, sagte DGP-Präsident Professor Dr. Berthold Jany bei einer Pressekonferenz in Berlin. »Dabei nehmen die meisten Raucher die frühen Symptome einer Lungenerkrankung, etwa Raucherhusten, kaum wahr, weil sie sich schon daran gewöhnt haben.« Sobald Betroffene erste Beschwerden bemerken, seien viele Lungenerkrankungen schon weit fortgeschritten. Eine frühe Diagnose erhöhe die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

Auf das Rauchen als Risikofaktor für viele Lungenerkrankungen bezieht sich auch die zweite Empfehlung der DGP: Jedem Raucher mit einer Lungenkrankheit wie COPD, Asthma, Lungenkrebs oder Lungenfibrose soll eine strukturierte Tabakentwöhnung angeboten werden. »Je schneller Betroffene das Rauchen aufgeben können, desto mehr verbessern sich Symptome wie Atemnot, Husten und Atemwegsentzündungen«, erklärte Jany.

 

Mehr impfen

 

Eine weitere Maßnahme, die aus Sicht der Fachgesellschaft häufiger als bislang angewendet werden soll, sind Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen sowie für jeden ab 60 Jahren. »Die Influenzaimpfung ist eine sichere Präventionsmaßnahme, die in Deutschland zu wenig genutzt wird«, heißt es in der Publika­tion der Empfehlungen im »Deutschen Ärzteblatt« (2016; 113(19): A-930 / B-788 / C-772). Pneumokokken seien nach wie vor der häufigste Erreger der ambulant erworbenen Pneumonie und daher als Indikationsimpfung für die genannten Personenkreise anzubieten.

 

Die Liste der Positivempfehlungen der DGP komplettieren die pneumologische Rehabilitation für COPD-Patienten nach Exazerbationen und die Diagnostik zum Ausschluss eines Schlafapnoe-Syndroms bei Schnarchern mit Adipositas, Diabetes, Vorhofflimmern oder Hypertonie. Letztere müsse vor dem Hintergrund der drastischen Zunahme der Adipositas häufiger erfolgen, da diese auch zu einem Anstieg der obstruktiven schlafbezogenen Atmungsstörungen führe. Eine nicht therapierte Schlaf­apnoe erhöhe signifikant das Risiko zahlreicher Folgeerkrankungen und verkürze die Lebenserwartung.

 

Computertomografie zu häufig eingesetzt

 

Eine Überversorgung sieht die DGP unter anderem bei der Anwendung der Computertomografie (CT). Diese sei zur Diagnostik von Lungenembolien und bei der Suche nach Lungenkrebs nur hilfreich, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Ärzte neigten manchmal dazu, »sicherheitshalber« eine Untersuchung anzuordnen, die dem Patienten gar nicht nützt, so Jany. Mit der Initiative »Klug entscheiden« will die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin solchen Fällen von Überversorgung begegnen.

 

Neben den zu häufigen CT-Untersuchungen sieht die DGP einen Übergebrauch von Antibiotika bei akuter Bronchitis. Diese sei nahezu immer viral bedingt. Patienten ohne chronische Lungenerkrankung und mit unkomplizierter Erkrankung sollen deshalb kein Antibiotikum erhalten.

 

Besser schulen bei Inhalatoren

 

Handlungs- beziehungsweise Schulungsbedarf besteht aus Sicht der DGP auch bei Patienten mit Asthma oder COPD, die Medikamente über einen Inhalator anwenden sollen. Diese müssten in die Anwendung dieser Geräte besser eingewiesen werden. Ferner sollten niedergelassene Ärzte den Empfehlungen zufolge eine im Krankenhaus begonnene Sauerstofftherapie nicht unkritisch weiterverordnen, sondern zunächst die Notwendigkeit überprüfen. /

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