Pharmazeutische Zeitung online
Evolution

Alkohol-Unverträglichkeit entwickelt sich weiter

28.02.2018
Datenschutz bei der PZ

Von Daniela Hüttemann / Die Evolution hört niemals auf, auch bei uns Menschen nicht. Das könnte dazu führen, dass die Menschheit irgendwann einmal keinen Alkohol mehr verträgt, spekulieren derzeit einige Medien.

 

Sie beziehen sich dabei auf eine genetische Analyse von mehr als 2500 Menschen von vier Kontinenten aus dem 1000-­Genome-Projekt, die jetzt in »Nature Ecology and Evolution« veröffentlicht wurde (DOI: 10.1038/s41559-018-0478-6). Die Genetiker Kelsey Elizabeth Johnson und Professor Dr. Benjamin Voight von der Universität Pennsylvania entdeckten mehrere genetische Hotspots – Teile des Genoms, in denen sich in der jüngsten menschlichen Vergangenheit, also in den letzten paar Tausend Jahren, viel geändert hat. Dabei lag ihr Augenmerk auf Veränderungen, die anscheinend unabhängig voneinander in verschiedenen geografischen Regionen auftraten.

Eines dieser Cluster umfasst die Gene für den Ethanol-Abbau im Körper, darunter die Alkoholdehydrogenase. Sie oxidiert Ethanol zu Acetaldehyd – die Substanz, die am nächsten Tag Kopfschmerzen bereitet, bevor sie langsam weiter zum unschädlichen Acetat verstoffwechselt wird. Bei Personen aus Ostasien und Westafrika finden sich nun vermehrt Genvarianten, die die Alkoholdehydrogenase schneller und effizienter arbeiten lassen. Der Effekt: Der Körper muss sich länger mit Acetaldehyd herumschlagen – wir vertragen also weniger und leiden länger darunter. Das könnte auch etwas Positives haben: Weniger Alkoholmissbrauch und -sucht. In Europa scheint dieser genetische Trend allerdings noch nicht angekommen zu sein.

 

Ein anderer Hotspot umfasst die Glycophorin-Gene. Sie kodieren für Transmembranproteine der Erythrozyten, die der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum nutzt, um in die roten Blutkörperchen zu gelangen. Vor allem in Afrika und Asien entwickelten sich Varianten, die es dem Parasiten schwerer machen, die Erythrozyten zu infizieren. Bei Europäern fiel auf, dass sie mittlerweile die nicht proteinogene Aminosäure Homocystein besser abbauen. Das könnte von Vorteil sein, da vermutet wird, dass hohe Homocystein-Spiegel Herzerkrankungen begünstigen.

 

Ob und wie schnell sich die neuen Genvarianten global durchsetzen, zeigt die Analyse nicht. Bis sich die genetische Variante zum Schutz vor Alkoholismus weltweit verbreitet hat, wird es vermutlich noch viele Tausend Jahre dauern. /

Mehr von Avoxa