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Herz-Kreislauf-Medikamente

Vielfältige Wechselwirkungen möglich

16.02.2010
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sehr häufig und erfordern oft eine Kombinationstherapie aus mehreren Medikamenten. Das macht eine Fülle von Wechselwirkungen möglich, die häufig eine Überwachung oder Anpassung der Therapie erfordern.

Dr. Nina Griese vom Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände stellte wichtige Wechselwirkungen vor. Sie orientierte sich dabei an den einzelnen Arzneimittelgruppen zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Diuretika

Sie sind Mittel der ersten Wahl bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz. Bei der gemeinsamen Gabe von kaliumsparenden Diuretika (Spironolacton, Triamteren, Amilorid) und Medikamenten, die ebenfalls den Kaliumspiegel im Blut erhöhen, entstehen Griese zufolge mitunter additive Effekte. Das betreffe vor allem ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten, Ciclosporin, Tacrolimus, Kaliumsalze und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). »Als Folge dieser Interaktion können Hyperkaliämien auftreten.« Als typische Symptome nannte Griese Muskelschwäche, Parästhesien, Blutdruckabfall und Herz-Rhythmus-Störungen. »Patienten, die kaliumsparende Diuretika einnehmen, sollten möglichst keine NSAR oder andere Interaktionspartner bekommen.« Zudem sei die Umstellung auf kaliuretische Diuretika zu erwägen. »Doch gilt bei schwerer Herzinsuffizienz die Kombination von ACE-Hemmern und Spironolacton als besonders wirksam.« Um die Interaktionsgefahr zu verringern, empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz, Spironalacton nur niedrig dosiert (unter 25 mg/Tag) einzusetzen und zudem die Blutwerte der Patienten regelmäßig zu überprüfen. Bei Serumkaliumkonzentrationen über 5 mmol/l, beziehungsweise Serumkreatininkonzentrationen über 2,5 mg/dl sei die Spironolacton-Dosis zu senken oder die Therapie umzustellen.

 

ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten

Sie gelten als Mittel der ersten Wahl bei Bluthochdruck und Herzinsuffizienz. Neben additiven Effekten mit anderen kaliumsparenden Medikamenten (siehe »Diuretika«) kommt es Griese zufolge mitunter zu immunologischen Interaktionen mit Allopurinol mit Folgen wie Fieber, Anaphylaxie und Stevens-Johnson-Syndrom, einer schweren Hautreaktion. »Patienten sollten über typische Warnsignale aufgeklärt werden und bei deren Eintritt unmittelbar den Arzt aufsuchen.«

 

Betablocker

Betablocker sind Mittel der ersten Wahl bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz. Indem sie β1-Rezeptoren blockieren, dämpfen sie die Effekte des Sympathikus auf das Herz und wirken somit negativ chronotrop und inotrop. »Diese Wirkungen verstärken sich durch die Kombination mit anderen kardiodepressiven Medikamenten, nämlich Calciumantagonisten und Digitalisglykosiden«, sagte Griese. Zudem dämpften Betablocker auch sympathische Effekte über β2-Rezeptoren, was Interaktionen mit NSAR, Insulin, oralen Antidiabetika und Sympathomimetika mit sich bringe. »Patienten mit Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) sollten möglichst keine, zumindest aber kardioselektive Betablocker einnehmen.«

 

Calciumkanalblocker

Sie gelten als Mittel der ersten Wahl bei Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit. Sie verstärken die Wirkung anderer kardiodepressiver Medikamente (siehe »Betablocker«). Daher empfahl Griese, sie in der Kombination möglichst zu meiden, beziehungsweise einen der kaum kardiodepressiven Vertreter vom Dihydropyridin-/Nifedipin-Typ zu verwenden. Daneben spielten pharmakokinetische Interaktionen eine Rolle: »Diltiazem, Verapamil und zu einem geringeren Ausmaß auch Gallopamil hemmen CYP3A4, steigern also die Blutspiegel anderer Arzneimittel, die ebenfalls über dieses Isoenzym metabolisiert werden.« Dazu zählten Carbamazepin, Sertindol sowie Simvastatin, Lovastatin und Atorvastatin. Dennoch ließen sich die Statine mit Vorsicht und in niedriger Dosierung mit Calciumkanalblockern kombinieren.

 

Thrombozytenaggregationshemmer

TAH gehören wie Calciumkanal- und Betablocker zur ersten Wahl bei koronarer Herzkrankheit. »Einer Stellungnahme der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker zufolge sinkt die plättchenhemmende Wirkung von Clopidogrel durch die gleichzeitige Gabe von Omeprazol und anderen Protonenpumpenhemmern«, sagte Griese. Denn letztere hemmten das Isoenzym CYP2C19, das entscheidend zur Umwandlung des Prodrugs Clopidogrel in seinen wirksamen Metaboliten beitrage.

 

Zudem nehme manchen Studien zufolge die plättchenhemmende Wirkung von Acetylsalicylsäure (ASS) in Gegenwart von Ibuprofen ab. »Offenbar versperrt Ibuprofen ASS den Zugang zu seiner Zielstruktur in der Cyclooxygenase-1.« Gemäß ersten In-vitro-Studien betreffe die Interaktion auch weitere NSAR. »Doch Diclofenac scheint nicht dazu zu gehören.« Daher seien ASS-behandelte Patienten möglichst damit oder mit Paracetamol zu versorgen. »Ansonsten empfiehlt es sich, ASS 30 Minuten vor Ibuprofen einzunehmen.« Diese zeitliche Trennung ergebe aber nur bei schnell freisetzenden Darreichungsformen einen Sinn.

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