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Blutdruck

Fettreiches Essen erhöht ACE-Spiegel

01.02.2017  10:18 Uhr

Von Sven Siebenand / Eine fettreiche Ernährung lässt den Blutspiegel des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE) ansteigen. Träger einer bestimmten ACE-Genvariante reagieren zudem mit einer Erhöhung des Blutdrucks.

Dass eine Veränderung des Körper­gewichts die Spiegel des für die Blutdruckregulation wichtigen Angiotensin-konvertierenden Enzyms beeinflusst, ist bekannt. Nun haben Forscher heraus­gefunden, dass die Ernährungsweise auch unabhängig davon Einfluss auf die ACE-Werte im Blut hat. Fettreiches Essen lässt die Enzymspiegel innerhalb von sechs Wochen um circa 15 Prozent ansteigen. Das berichten Forscher um Dr. Rita Schüler und Professor Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) im »Journal of the American Heart Association« (DOI: 10.1161/JAHA.116.004465).

Um auch genetische Effekte zu untersuchen, hatten die Forscher insgesamt 46 Zwillingspaare in die Studie aufgenommen. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass nicht alle Menschen in gleicher Weise auf eine hohe Zufuhr gesättigter Fette reagierten. Laut Schüler ist eine bestimmte Variation im Erbgut dafür verantwortlich. In der Studie hatten homozygote Träger der identifizierten Risiko-ACE-Genvariante bereits vor einer fettreichen Diät erhöhte ACE-Spiegel im Blut. Zudem stiegen bei ihnen unter fettreicher Diät die ACE-Spiegel im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmern doppelt so hoch an. Ebenso hatten sie im Vergleich zu den anderen Personen nach der fettreichen Diät Blutdruckwerte, die um durchschnittlich 9 mmHg höher lagen. Eine Überprüfung der Resultate anhand der Daten von 365 Teilnehmern einer anderen, von der Zwillingsstudie unabhängigen Ernährungsstudie bestätigte dem Institut zufolge die gemachten Beobachtungen.

 

Neuer Biomarker?

 

»Unsere Erkenntnisse belegen erstmals, dass die Ernährung in Abhängigkeit des ACE-Gens die Blutdruckregulation direkt beeinflusst. Sie könnten in Zukunft dazu beitragen, eine Basis für personalisierte Ernährungsempfehlungen zu erstellen«, sagt Studienleiter Pfeiffer in einer Mitteilung des DIfE. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, sei es denkbar, das ACE-Gen ähnlich wie den Stoffwechselmarker LDL-Cholesterol als neuen Biomarker zu verwenden. Da ACE-Hemmer zu den Blutdruckmedikamenten der ersten Wahl zählen, wäre es zudem vorstellbar, dass gerade Menschen, die einen grenzwertigen Blutdruck haben, von einer nutri­genetisch definierten Nahrungsauswahl profitieren und vielleicht keine Medikamente mehr benötigen. /

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