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Verbot tritt in Kraft

Aus für Plastiktüten ab 1. Januar 2022

Berge von Plastikmüll sind ein Problem für die Erde. Insbesondere Plastiktüten stellen, wenn sie nicht korrekt recycelt werden, für Jahrzehnte eine Umweltbelastung dar. Um die Flut einzudämmen, werden Kunststofftüten ab Januar 2022 in Deutschland verboten. Das betrifft auch die Abgabe in Apotheken. Diese haben sich schon vor Längerem umorientiert.
Cornelia Dölger
28.12.2021  13:00 Uhr

Das Plastikproblem ist altbekannt und wurde auf EU-Ebene zuletzt 2016 angepackt. Eine entsprechende Richtlinie zur Reduktion des Verbrauchs von Plastiktüten gibt den Mitgliedstaaten seit damals die Möglichkeit, nationale Maßnahmen zur Reduzierung des Gebrauchs zu erlassen, inklusive eines Verbots. Dieses tritt in Deutschland zum 1. Januar 2022 in Kraft; zuvor galt seit 2016 eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel, dass Tüten aus Kunststoff nur noch gegen Bezahlung abgegeben werden dürfen. Das hat laut Bundesumweltministerium den Verbrauch bereits um zwei Drittel gesenkt.

Auch in Apotheken verschwinden Kunststofftüten mithin seit einigen Jahren mehr und mehr aus dem Verkaufsalltag. Ab Januar sind dann Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 bis 50 Mikrometern komplett verboten, das sind Tüten, die üblicherweise im Handel an der Kasse ausgegeben werden. Ganz dünne Tütchen, so genannte »Hemdchenbeutel« von weniger als 15 Mikrometern Wandstärke, sind allerdings weiterhin erlaubt – mangels umweltfreundlicher Alternativen, wie das Bundesumweltministerium erklärt. Auch sehr dicke Tüten fallen nicht unter das Verbot.

Apotheken verzichten seit 2016 sukzessive auf Tüten-Einsatz

Nach dem langen Vorlauf werden sich die Apotheken ab Januar vermutlich nicht groß umorientieren müssen, wie etwa der Apothekerverband Baden-Württemberg erklärt. »Das Verbot kommt für die Branche nicht unerwartet«, so Verbandssprecher Frank Eickmann auf PZ-Anfrage. Spätestens seit 2016 eine Apotheken-Aktion gegen den Gebrauch von Plastiktüten startete, verzichteten die Apotheken in Baden-Württemberg sukzessive auf den Einsatz von Plastiktüten, so Eickmann. Deshalb sei davon auszugehen, »dass durch die nun in Kraft tretende gesetzliche Regelung für die Apotheken keine nennenswerte Neuorientierung nötig ist«. Er gehe davon aus, dass die »allermeisten« Apotheken im Land schon länger auf alternative Tragetaschen umgestiegen seien.

Besagte Apotheken-Aktion startete im April 2016. Seit damals packen die Apotheken in mehreren Bundesländern tatkräftig mit an: Mit der Kampagne unter dem Slogan »Nein danke – ich brauche keine Tüte« wollen sie ihre Kundschaft dafür sensibilisieren, auf Kunststofftragetaschen zu verzichten und auf Alternativen umzusteigen. Die Aktion hatte der Landesverband Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Er appellierte an seine Mitgliedsapotheken, die Aktion aktiv zu unterstützen und für die Abgabe einer Plastiktüte vom Kunden einen kleinen Geldbetrag zu verlangen. »Wir packen's ohne Plastik« solle die Botschaft an die Kunden lauten, hieß es damals vom Landesverband. Auch die ABDA warb für das Projekt. »Wir unterstützen die gesellschaftlichen Ziele Umweltschutz und Nachhaltigkeit«, sagte der damalige ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zum Start der Kampagne am 1. April 2016. Weitere Teilnehmer neben dem Verband aus Baden-Württemberg waren die Verbände in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Westfalen-Lippe.

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