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Schwangerschaft

Auf Cannabiskonsum verzichten

Gynäkologen warnen vor Cannabiskonsum in der Schwangerschaft. Es gebe sehr deutliche Hinweise darauf, dass dies die Funktionsweise des kindlichen Gehirns dauerhaft verändere, so der Berufsverband der Frauenärzte. Zudem zeigt eine neue Studie aus Kanada, dass es unter Cannabiskonsum zu mehr Frühgeburten kommt.
Daniela Hüttemann
25.06.2019
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Tetrahydrocannabinol (THC) werde durch die Plazenta nur zum Teil zurückgehalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte anlässlich des Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch am 26. Juni. »Da das Gehirn des ungeborenen Babys sich von Tag zu Tag weiter entwickelt, wirkt Cannabis genau wie Alkohol nicht einfach nur als Droge, sondern als Gift«, erläutert Verbandspräsident Dr. Christian Albring. Es gebe sehr deutliche Hinweise darauf, dass sich die Funktionsweise des kindlichen Gehirns dauerhaft verändert, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Cannabis konsumiert hat – und zwar unabhängig vom Nikotin und anderen Giftstoffen, die beim Marihuana-Rauchen mit inhaliert werden. »Die Veränderungen des Gehirns ließen sich in einer großen Studie aus den Niederlanden sogar noch bei sechsjährigen Kindern im MRT feststellen«, so der Frauenarzt.

Vergangene Woche zeigte zudem eine neue große Kohortenstudie aus Kanada, dass die Frühgeborenen-Rate unter Cannabis-Raucherinnen doppelt so hoch lag wie bei Nicht-Nutzerinnen (12 versus 6 Prozent). Von den 661.617 ausgewerteten Schwangerschaften hatten in 9.427 Fällen die Mütter (1,4 Prozent) berichtet, während der Schwangerschaft Cannabis konsumiert zu haben.

»Vielfach wird Cannabis für eine harmlose Droge gehalten, weshalb zu befürchten ist, dass Schwangere häufig weiter Haschisch rauchen, weil sie denken, dass das dem Baby nicht schadet. Aber das ist falsch«, sagte Albring. Laut des kürzlich von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) herausgegebenen Europäischen Drogenberichts konsumieren binnen eines Jahres 11 Prozent aller Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren Cannabis. Wie viele mit dem Haschisch-Rauchen aufhörten, wenn sie schwanger würden, sei unbekannt, sagte Albring.

Der Verband äußert sich in der Pressemitteilung nicht dazu, wie sich die Applikation von medizinischem Cannabis auf Mutter und Kind auswirken.

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