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Fleischallergie

Auch Probleme bei Arzneimitteln

Erst seit Kurzem ist bekannt, dass es eine Allergie gegen rotes Fleisch gibt, die auf einer Sensibilisierung gegen den Zucker α-Gal beruht. Diese kann auch zu Reaktionen auf Medikamente mit tierischen Bestandteilen führen.
Christina Hohmann-Jeddi
28.05.2019
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»Der Doppelzucker Galactose-α-1-3-Galactose, auch α-Gal genannt, kommt auf Proteinen von allen Säugetieren vor, außer von Primaten und vom Menschen«, berichtete Dr. Jörg Fischer von der Universitäts-Hautklinik in Tübingen auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in Düsseldorf. Da α-Gal immunogen wirkt, bilden Menschen Antikörper gegen diesen Zucker, einige auch größere Mengen spezifische IgE-Antikörper. Diese Typ-1-Sensibilisierung wird ausgelöst durch Zeckenstiche, wie inzwischen bekannt ist. »Das ist ein globales Problem«, sagte Fischer. »Entsprechende Zecken kommen auf allen Kontinenten vor.« In Deutschland ist dies vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).

Allergische Reaktionen, die auf spezifischem IgE gegen α-Gal beruhen, werden unter dem Begriff α-Gal-Syndrom zusammengefasst. Zum einen kommt es zu Reaktionen auf rotes Fleisch, nicht aber auf Geflügel. Diese treten etwas zeitverzögert nach drei bis sechs Stunden auf, da das Fleisch erst verdaut werden muss. »Hochsensibilisierte reagieren auch auf Milchprodukte und Gelatine in Lebensmitteln«, sagte der Experte. Zum anderen können aufgrund der Sensibilisierung auch allergische Reaktionen auf Arzneimittel auf Tierbasis auftreten.

Erstmals beobachtet wurde dies bei dem EGFR-Antikörper Cetuximab. Die Reaktionen traten in einer klinischen Studie bei den Probanden schon bei der Erstgabe auf, was bedeutet, dass eine Sensibilisierung bereits vorgelegen haben muss und nicht durch die Verabreichung des Wirkstoffs entstand.

Mittlerweile sind auch weitere Reaktionen gegen andere Arzneimittel und Impfstoffe bekannt. So gibt es Berichte zu Anaphylaxien auf den Herpes-zoster-Impfstoff Zostavax® und gegen den Tollwutimpfstoff Rabipur®, die beide Gelatine enthalten. »Jeder Impfstoff, der Gelatine enthält, ist im Prinzip ein Risiko«, so Fischer. Noch wisse man nicht, welche Menge der tierischen Substanzen als Trigger ausreichen. Problematisch sei auch, dass Gelatine nicht immer korrekt gekennzeichnet werde.

Auch Volumenersatzmittel und Schlangengift-Antiseren, die tierische Bestandteile enthalten, können zu Anaphylaxien führen. Da diese Produkte wie auch Impfstoffe in der Regel subkutan oder intramuskulär injiziert werden, treten allergische Reaktionen anders als beim Verzehr von rotem Fleisch sofort auf. Zum Teil entwickelten auch Personen Reaktionen, die rotes Fleisch noch vertrügen, berichtete Fischer. Auch Prothesen aus tierischem Gewebe, wie etwa biologische Herzklappen aus Aortenklappen von Schweinen oder aus Herzbeutelgewebe von Rindern, können bei Patienten mit IgE gegen α-Gal zu postoperativen Komplikationen oder einer frühen Degradation der Prothesen führen.

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