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Grüne zu KARL
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»Auch die Pharmaindustrie braucht sauberes Wasser«

Eine überalternde Gesellschaft und die zunehmende Medikamentennutzung führen zu einer stärkeren Verschmutzung der Gewässer. Doch die Kosten der vierten Reinigungsstufe, die die Pharma- und Kosmetikindustrie gemäß der EU-Kommunalabwasserrichtlinie tragen muss, könnten die Versorgung mit Generika gefährden, fürchtet die Industrie.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 20.03.2026  18:00 Uhr

»Wer verschmutzt, zahlt – sauberes Wasser für alle mit der Kommunalabwasserrichtlinie« – so hieß die heutige Podiumsdiskussion, die von Bündnis 90/Die Grünen organisiert wurde. Mit dabei waren Steffi Lemke, ehemalige Umweltministerin und derzeitige Grünen-Abgeordnete, Jutta Paulus, EU-Abgeordnete der Grünen, sowie Vertreter der Wissenschaft und der Pharmaindustrie.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, dass sauberes Wasser für die Umwelt, die Menschen und die Industrie von großer Bedeutung ist. »Wasser ist unsere wichtigste Ressource. Wir sind auf sauberes Wasser angewiesen, und das betrifft auch die Industrie«, sagte Lemke in ihrer Keynote. Schadstoffe wie Arzneimittelrückstände belasten das Wasser und gelangen ins Trinkwasser.

Die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) der Europäischen Union schreibt eine vierte Klärstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen und schwer abbaubaren Substanzen vor. Demnach sollen sich die Pharma- und Kosmetikhersteller gemäß dem Verursacherprinzip zu mindestens 80 Prozent an den Kosten der neuen Klärstufe beteiligen. Die Pharmaindustrie wehrt sich jedoch dagegen und warnt vor einer möglichen Gefährdung der pharmazeutischen Versorgung. Die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht muss spätestens bis zum 31. Juli 2027 erfolgen.

Per Livestream schaltete sich auch Jutta Paulus dazu. Sie betonte, dass die Richtlinie eine »sehr breite Mehrheit bei allen proeuropäischen Parteien und bei den Mitgliedstaaten« erzielt habe. Es sei verwunderlich, die Richtlinie jetzt, im Nachhinein, in Frage zu stellen. »Im Moment ist der Widerstand sehr groß«, sagte die EU-Abgeordnete mit Blick auf die Pharmaindustrie.

Sie hob hervor, dass KARL nicht nur für Pharmaunternehmen, die in der EU produzieren, gelte, sondern für alle Inverkehrbringer, also auch für diejenigen, die Medikamente auf dem Unionsmarkt bereitstellen. Somit sei das Argument, dass die Produktion in Europa dadurch gefährdet wäre, für die approbierte Apothekerin nicht zutreffend. Ein Problem sieht sie bei den Generika, deren Marge sehr niedrig ist. Anstatt die neue Richtlinie abzuschwächen, wäre es laut Paulus besser, wenn ein gewisser Anteil der von den Krankenkassen erstatteten Medikamente verpflichtend in der EU produziert würde.

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