Sebastian Sokolowski, Marlene Halser, Jan-Ole Niermann, Johanna Feckl, Mark Michel, Marthe Ruddat, Sonja Gerhardt und Frank Dieckerhoff (v.l.n.r.) bei der Preisverleihung. / © Michael C.Moeller
Wie die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe mitteilt, verlieh sie am Montagabend in Münster ihren achten Journalistenpreis mit einem Gesamtpreisgeld von 12 000 Euro. Insgesamt wurden sechs journalistische Beitäge ausgezeichnet. Rund 80 Gäste verfolgten die Preisverleihung, bei der erstmals auch ein Podcast prämiert wurde.
Laut Pressemitteilung hob Frank Dieckerhoff, Vizepräsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, in seiner Begrüßung die Wichtigkeit von gutem Journalismus hervor: »Wir haben den Journalistenpreis ins Leben gerufen, um Beiträge zu prämieren, die sich ehrlich und kritisch mit Apotheken, Pharmazie und Arzneimitteln auseinandersetzen. Es ist enorm wichtig, dass wir Qualitätsjournalismus würdigen.«
In der Kategorie Print/Online wurde demnach Johanna Feckl für ihren Beitrag »Kühl bleiben«, der in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe Ebersberg) veröffentlicht wurde, mit 1500 Euro ausgezeichnet. In dem Artikel thematisiert Feckl die Auswirkungen steigender Temperaturen auf Arzneimittel und die wachsenden Anforderungen an Apotheken, um vorgeschriebene Lagerbedingungen einzuhalten.
»Johanna Feckl hat es geschafft, aus scheinbar technischen Details eine Geschichte zu machen, die von der Zukunft der wohnortnahen Versorgung handelt«, stellte Laudator Kai Heddergott, stellvertretender Vorsitzender des Pressevereins Münster-Münsterland, heraus. Preisträgerin Johanne Feckl nutzte ihre Redezeit für einen Aufruf: »Reden Sie mit Journalisten und Journalistinnen. Damit wir Ihre Geschichten sichtbar machen können.«
Ebenfalls mit 1500 Euro geehrt wurde nach Anagben der Apothekerstiftung die Spiegel-Reportage »Viele Menschen nehmen L-Thyroxin, obwohl sie es nicht bräuchten«. Autorin Marthe Ruddat beleuchtet darin, wie Überdiagnostik und veraltete Ultraschall-Referenzwerte bei Millionen Menschen in Deutschland zu einer jahrelangen Übertherapie mit dem Schilddrüsenmedikament führen. Laudator Frank Biermann, Vorstandsmitglied der Fachgruppe Medien ver.di NRW, würdigte Ruddat für ihre Leistung, »ein sehr komplexes Thema anschaulich und verständlich« darzustellen, und betonte: »Journalismus wirkt. Guter Journalismus bleibt nicht folgenlos. Nie.«
Jeweils 1500 Euro erhielten die Beiträge »Internationale Apotheke in Hagen: Hier werden 25 Sprachen gesprochen« von Sonja Gerhardt, von WDR Lokalzeit Dortmund / Duisburg / Ruhr, und »Syrer arbeitet wieder als Apotheker in Bad Wünnenberg« von Jan-Ole Niermann, von der WDR Lokalzeit OWL. Beide Beiträge zeigen auf unterschiedliche Weise, wie international Apotheken heute aufgestellt sind: So hat die Hagener Apotheke seit 70 Jahren den Anspruch, auch Menschen weiterzuhelfen, die kein Deutsch sprechen. Die rund 80 Beschäftigten, von denen rund die Hälfte einen Migrationshintergrund hat, sprechen insgesamt 25 Sprachen.
Der in Bad Wünnenberg lebende Apotheker Kaniwar Mohamed führte in Syrien zwei Apotheken. Dann zwang ihn der Bürgerkrieg zur Flucht. Vor zehn Jahren kam er nach Deutschland und fing bei null an, durchlief Prüfungen zur Anerkennung seiner Approbation und kann nun wieder als Apotheker arbeiten.